|
von Andy Nicholls
Deutsche Ausgabe, ca. 400 Seiten
Andy Nicholls ist jedem szenekundigen Polizeibeamten beim Fußball in England bekannt. Für über ein Vierteljahrhundert war Nicholls einer der aktivsten Hooligans des Landes. Bei seinem Verein, Everton, galt er als führender Kopf des gewalttätigen Anhangs. Nicholls kassierte mehr als zwanzig Haftstrafen wegen fußballbezogener Delikte. Aus Belgien, Island und Schweden wurde er ausgewiesen, sein Fanzine ‚Get Into Them’ wurde von den Behörden verboten, und er selbst hat mittlerweile Stadionverbot in allen Grounds Großbritanniens. In dieser autobiografischen Schilderung blickt er detailliert auf seine aktive Zeit zurück. ‚Scally’ sorgte dabei für einen Sturm der Entrüstung, als das Buch in England erschien.
Das Buch ist ein ungewöhnlich glaubwürdiger und ernster Vertreter seines Genres. „Wir waren die Besten“ oder „die Härtesten“ wird man hier vergleichsweise wenig lesen. Dafür allerdings sind die Schilderungen der Ereignisse so detailreich und präzise, dass es den Leser durchaus schaudern lässt – man bedenke: Dies ist kein Roman – die Messerstechereien, die offenbar Bestandteil eines Spieltages mit dem EFC waren, sind tatsächlich in solch brutaler Form abgelaufen.
‚Scally’ wurde von der Polizei für entsprechende Recherche verwendet, und Liverpools Tageszeitung, das ‚Liverpool Echo’, forderte in einem feinen Anflug von pressefreiheitlicher Gesinnung sogar die Politik auf, das Buch zu verbieten. Am besten wird es wohl sein, jeder bildet sich sein eigenes Urteil.
|