Ärger mit dem Internetdienstleister web.de
Heute mal ein Thema ganz ohne Fußball, Bücher und so, sondern mal etwas über private Auseinandersetzungen, Gegner dabei ist das Unternehmen web.de. Das Problem dabei ist, dass es bei web.de, und übrigens auch bei vielen anderen Internetdienstleistern, ohne größere Probleme möglich ist, mit fremden Daten einen Vertrag abzuschließen. Oftmals kann man sogar schon direkt die entsprechenden Dienstleistungen nutzen und jemand ganz anderes bekommt die Rechnungen und Mahnungen ins Haus. Der Grund dafür ist, dass die Daten für die in Anspruch genommenen Leistungen, zu der bei der Registrierung angegebenen Mail-Adresse geschickt werden, während die Mahnungen dann an die richtige Anschrift gehen. Durch diese Verfahrensweisen ist es jeder Person möglich, sich Leistungen auf dem Namen Dritter zu erschleichen und die Internetdienstleister spielen dabei gern die Unschuldigen. Zu meinem Problem mit web.de habe ich folgenden Brief an Verbraucherschutzmagazine wie z.B. WISO geschickt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich weiß nicht, ob dieses Thema bei Ihnen bereits behandelt wurde, aber ich möchte Ihnen trotzdem darüber schreiben, da es mich stört, wie in Deutschland mit Daten umgegangen wird.
Ich, als selbstständiger Betreiber von Internetseiten (darunter auch ein Onlineshop), bin dazu verpflichtet, viele Daten im Internet freizugeben. Nun kommt es dadurch immer wieder vor, dass andere Internetnutzer diese Daten nutzen, um Verträge auf anderen Webseiten abzuschließen. Dabei kommen diesen Betrügern die nicht vorhandenen Kontrollmechanismen vieler Seitenbetreiber zu gute. Dies möchte ich Ihnen gerne an einem Fall erklären, der erstmals nicht mich als Privatperson, sondern unser Unternehmen betrifft.
Am 16. September 2008 hatten wir eine Abbuchung der Firma web.de über 105,36 Euro auf unserem Firmenkonto. Die angebliche Kundennummer dabei lautet K19390609, die dazugehörigen Vertragsnummern V19680751 und V19680486. Keiner wusste etwas mit dieser Abbuchung anzufangen und nach zwei Wochen ergebnisloser Recherche, auch web.de selbst verweigerte dazu die Aussage, buchten wir zum Ende des Monats den Betrag zurück. Da wir kein Vertragsverhältnis mit web.de eingegangen waren, sahen wir die Sache als erledigt an.
Nun aber flatterte uns eine Mahnung von web.de ins Haus. Sofort schnappte ich mir das Telefon und versuchte, die Angelegenheit telefonisch zu klären. Dies wies sich aber als unmöglich heraus. Damit über den Vertrag gesprochen werden darf, muss die im Vertrag angegebene Anschrift und das im Vertrag angegebene Geburtsdatum genannt werden. Da das Geburtsdatum aber nicht mit meinem übereinstimmt, durfte die Servicemitarbeiterin keine Angaben zu Vertragsinhalten machen. Als ich darum bat, mir den Vertrag per Post zuzuschicken, wurde ich darauf verwiesen, dass dies per Mail bereits geschehen sei. Natürlich durfte sie mir nicht die im Vertrag genannte Mail-Adresse nennen, aber nachdem ich ihr meine privaten und geschäftlichen Mailadressen nannte, konnte sie mir zumindest sagen, dass diese nicht darunter sei. Außerdem erklärte sie mir, dass, wenn ich nicht die im Vertrag angegebenen Daten nennen könnte (angeblich wegen des Datenschutzes), ich eine Zusendung der Vertragsinhalte per Post nicht einfordern dürfte. Natürlich könnte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass web.de keinen Support per Mail sondern nur per kostenpflichtiger Hotline anbietet. Aber ein Blick über die vielen Beschwerden, die im Internet zu diesem Unternehmen zu finden sind, zeigt schon, wie dort gearbeitet wird. So wollte mir die Vorgesetzte der Serviceabteilung, zu der ich mich während des Gesprächs verbinden lies, mir doch Allenernstes weiß machen, dass ich nun erstmal beweisen müsste, dass ich kein Vertragsverhältnis eingegangen bin. An der Stelle wurde mit Lügen und Einschüchterungsversuchen gearbeitet, um zu verschleiern, dass die eigentliche Beweispflicht bei web.de liegt (ich und Frau B., Chefin der Serviceabteilung, werden mit Sicherheit keine Freunde mehr). So stellte ich nun Strafanzeige gegen das Unternehmen web.de wegen Betrugsverdachts und werde die Angelegenheit zudem unserem Anwalt übergeben.
Das Problem ist nur, dass diese Vorfälle immer wieder vorkommen werden, da viele Internetseiten regelrecht Betrüger einladen. Um z.B. bei web.de einen Vertrag zu schließen, sucht man sich von einer Webseite (kleine Onlineshops bieten sich da besonders an) die Anschrift und die Kontodaten heraus. Diese gibt man nun bei Vertragabschluss mit web.de an und kombiniert dies mit einem ausgedachten Geburtsdatum und einer eigenen Mailadresse (es gibt da ja auch genug unseriöse Anbieter, die Mail-Adressen ohne Prüfung herausgeben). Nun bekommt man per Mail die gesamten Vertragsdaten zu einem Vertrag zugesandt, der eine ganz andere Person betrifft. Der wirkliche Kontoinhaber erfährt erstmal nichts, bis zum nächsten Kontoauszug. In der Zeit kann natürlich der Betrüger unter fremden Namen und unter Mithilfe des Providers auf fremden Namen etliche weitere Betrügereien ausführen, z.B. Massenmails versenden oder einen Onlineshop betreiben, der nur Geld kassiert und keine Ware verschickt. Genug Zeit dürfte ihm ja bleiben, da Unternehmen lieber bei ahnungslosen Personen und Unternehmen versuchen Geld einzuklagen, als deren Rechte zu schützen. Denn auf die Frage zum web.de-Service, ob der Vertrag wenigstens bis zur Klärung ruht, wurde mir erklärt, dass mich das nichts anginge, da ich nicht mal mein Geburtsdatum kennen würde.
Es würde mich freuen, wenn Sie verstärkt auf diese Problematik hinweisen könnten, damit die Verbraucher regelmäßig ihre Kontoausgänge auf unberechtigte Abbuchungen kontrollieren. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Unternehmen wie web.de sehr oft mit solchen Dingen durchkommen, da die Beträge bei vielen nicht ins Gewicht fallen und außerdem auch viele den Überblick verloren haben.
Gerne stehe ich Ihnen auch für weitere Fragen zur Verfügung.
Mit freundlichem Gruß
Stephan Trosien
Dazu möchte ich noch einmal anmerken, dass jeder von uns davon bedroht ist, ebenfalls in einen Rechtsstreit mit einem Interdienstleister zu geraten, ohne jemals mit diesem etwas zu tun gehabt zu haben. Viele Webmaster, wie eben ich auch, müssen persönliche Daten im Impressum angeben. Aber nicht nur dort lauern die Gefahren. Professionelle Datensammler (ja, dass ist ein echter Berufszweig geworden) stehen überall mit angeblichen Gratisgewinnen (denkt nur an die schicken neuen Autos in Einkaufszentren und auf Jahrmärkten, für die man nur einen Schein ausfüllen muss), um dann hinter mit Euren Informationen Geld zu verdienen. Betrüger zahlen gern für diese Datensammlungen…
Mich hat dieses Thema schon recht oft betroffen, da ich, wie andere Internethändler auch, Namen und Kontodaten veröffentlicht habe. Da man diese Daten ohne Probleme mit einer eigenen Mail-Adresse und einem falschen Geburtsdatum kombinieren kann, reicht dass schon aus, um sich mal für ein, zwei Monate kostenlos Webspace zu besorgen oder einen Zugang zu einem Pornokanal. Im Grunde stehen einem unbegrenzt viele Möglichkeiten offen. Schaut Euch einfach selbst mal um, wie einfach es ist, bei Internetdienstleistern Leistungen einzukaufen. Kontrollen gibt es nur sehr selten und sind scheinbar auch nicht gewollt. Denn wer am Ende zahlt, ist den meisten Internetdienstleistern egal, Hauptsache es kommt was rein in die Kasse…