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Geschrieben von Stephan am 3. Januar 2010

Jörg Berger, der ‚Feuerwehrmann‘ des deutschen Fußballs, erzählt seine Lebensgeschichte. Geboren wurde er in Gotenhafen und aufgewachsen ist er nach dem zweiten Weltkrieg in Leipzig. Fußballbegeistert war Berger schon als kleiner Junge und arbeitete kontinuierlich an seiner Sportkarriere in der DDR. Zufrieden ist er mit dem System der Funktionäre zwar nicht, aber an eine Flucht aus dem deutschen Unrechtsstaat denkt er vorerst auch nicht. Erst als die Funktionäre ihm eine Zeitlang untersagen, die von ihm trainierten Mannschaften in den nicht-sozialistischen Westen zu begleiten, wird bei Berger der Ruf nach Freiheit lauter.

Eine Rezension von Ingo Braun

Jörg Berger – Meine zwei Halbzeiten Jörg Berger war aber auch kein Kind von Traurigkeit, um nicht zu sagen ein echter Frauenheld. Trotz Ehefrau und Kind machte er keinen Hehl über seine wechselnden Beziehungen. Spannend ist die Erzählung über seine Flucht während eines U23-Länderspiels 1979 in Jugoslawien. Wie er sich vom Mannschaftshotel wegschleicht und mit dem Zug nach Belgrad fährt, um von dort mit Hilfe der deutschen Botschaft unter falschen Namen in die BRD zu reisen.

Die Vergangenheit lässt Berger anfangs nicht zur Ruhe kommen, z.B. tritt er als Trainer von Darmstadt 98 nicht im UI-Cup Spiel bei Banik Ostrau an, da er in der sozialistischen Tschechoslowakei sofort verhaftet worden wäre. Zudem lehnt er ein Angebot von Hertha BSC ab, da er damit eventuell zu sehr in die Öffentlichkeit geraten könnte. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Einsichtnahme in die Akten des Ministeriums für Staatssicherheit erhielt Berger Gewissheit, dass die Stasi ihn zeitweise als Bedrohung ansah und verschiedene IMs zur Observation auf ihn angesetzt hatte und eventuell sogar versuchte, ihn mit Gift zu ermorden.

Amüsant ist hingegen seine Schilderung über seine Sozialisation im Westen, z.B. wie er in Offenbach zum ersten Mal in ein Parkhaus fährt oder in einem Frankfurter Nachtlokal von einem Transvestiten geküsst wird. Auch manche Besonderheiten, die man sich als DDR-Bürger angewöhnt hatte, wurde er nicht so schnell los. Bei einem Umzug nach Kassel fand seine Zukünftige eine Kiste mit 200 Konserven Ananas, Erdbeeren usw. Daraufhin angesprochen antwortet Berger ernsthaft mit „Na ja, wer weiß wann es diese Sachen wieder gibt.“

Die Clubs die Berger trainiert hat, die Erfolge und Niederlagen die er erlebt hat, spielen nur am Rande eine Rolle. Im Vordergrund steht die Person Jörg Berger und dessen Leben in Ost und West, vornehmlich geprägt durch die Zeit in der DDR. Er selbst sagt von sich, er sei kein Held, aber eine Kämpfernatur muss er schon sein, sonst hätte er die DDR und den Krebs nie besiegen können. Diese deutsch-deutsche Geschichte gehört sicherlich zu den spannendsten Autobiographien eines Fußballtrainers und lässt sich durch die lockere Erzählweise von Berger herrlich lesen.

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