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Geschrieben von Stephan am 18. März 2014

Vor einiger Zeit traf mit ‚Mein Jahr mit dem Red Star FC‘ ein neues Buch im Lager ein. In seinem Werk schreibt Autor Christoph Heshmatpour über seine Zeit in Paris und die Erlebnisse rund um den Vorstadtclub Red Star FC, der durch einen Alleinaktionär aus der Werbebranche zu einem hippen Vorzeigeclub mit neuem Stadion umgebaut werden soll. Zu seinem Buch beantwortete mir der Autor einige Fragen.

Hallo Christoph, was erwartet den Leser in Deinem Buch ‚Mein Jahr mit dem Red Star FC‘?

Den Leser, die Leserin erwartet ziemlich genau das, was im Titel steht. Ich habe ein Jahr in Paris studiert und während dieses Jahres den legendären, aber irrelevanten Red Star FC begleitet. Ich beschreibe in dem Buch aber nicht vorrangig die Spiele, sondern das Drumherum, mein Leben neben dem Stadion, in einer fremden Stadt, in einem fremden Land und als Austauschstudent. Im Prinzip ist es ein Tagebuch eines Auslandsjahres, eine Sammlung von Fragmenten und Eindrücken.

Mein Jahr mit dem Red Star FC Wie bist Du eigentlich auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Ich habe irgendwann in der zweiten Hälfte meines Auslandsjahrs bemerkt, dass ich mich nicht um die Dokumentation meiner Erlebnisse gekümmert habe. Eine Fotokamera besitze ich zwar, aber ich mache nie Fotos, weil der Akt des Fotografierens so mühsam und gekünstelt ist. Schließlich habe ich beschlossen, meine Erlebnisse zusammenzuschreiben, solange sie noch halbwegs frisch sind. Dann habe ich versucht, es in eine möglichst unterhaltsame Form zu gießen. Den Text habe ich schließlich ins Internet gestellt, vielleicht interessiert es ja wen. Dann kamen die Leute von ‚Barrikade‘ in Hamburg daher und wollten es verlegen. Und so wurde es ein gedrucktes Buch. Hinzu kommt noch der Faktor, dass das Stadion von Red Star vor dem Abriss steht, deshalb hat das Buch auch den Anspruch, ein bisschen Aufmerksamkeit zu schaffen.

Könntest Du eventuell kurz beschreiben, was das Besondere am Red Star FC ist?

Red Star ist ein Fußballklub mit einer unglaublich reichen Geschichte. Das fängt an mit der Gründung durch Jules Rimet, der auch lange Vereinspräsident war, dann waren da die Seriensiege im französischen Cup in den 1920er-Jahren, schließlich war Red Star lange Zeit der größte und populärste Pariser Fußballklub, das ist mit dem Aufstieg des Retortenprodukts Paris Saint-Germain seit den 1970er-Jahren ja völlig in Vergessenheit geraten. Paris ist eine Stadt voller Mythen und Geschichten, und Red Star passt wunderbar in diese Stadt. Ich könnte jetzt noch lange erzählen, von der politischen Komponente, der sozialen Stellung als Klub aus der gefürchteten nördlichen Banlieue, aber wahrscheinlich muss man das einfach selbst bei einem Besuch im Stadion erlebt haben, was diesen Verein ausmacht. Joachim Henn versucht im Vorwort meines Werks auch ein bisschen, das Spezielle an Red Star einzufangen.

Wäre eine Entwicklung wie beim Red Star FC Deiner Meinung nach auch in Deutschland möglich?

Meinst du damit die Stadion-Pläne, die größenwahnsinnigen Fantasien des Herrn Vereinspräsidenten? Ich bin ja kein Deutscher und habe auch nie in Deutschland gelebt, allerdings glaube ich, dass die Fußballkultur allgemein, so wie eigentlich viele Bereiche unseres Lebens, immer mehr rein marktwirtschaftlichen Logiken unterworfen wird. Der Präsident will ein neues Stadion, denn in diesem sieht er die Chance auf Wachstum und mehr Geld und bessere Vermarktungsmöglichkeiten. Ich habe jedoch den Eindruck, dass das alles nur Selbstzweck ist. Wem dient die Wachstumsstrategie, wozu will der gute Herr mehr Geld machen? Ganz abgesehen davon, dass die ganze Expansion ein Hasardspiel ist, das genauso zum Tod des Vereins führen kann. Fußball ist zuerst einmal Unterhaltung, doch so wie jede Unterhaltung, wie Literatur, Film, Theater, Malerei, spiegelt der Fußball gesellschaftliche Tendenzen, meiner Meinung nach. Und die gefallen mir nicht, das sage ich ganz offen.

Verfolgst Du auch weiterhin die Entwicklung des Vereins und wenn ja, was ist nach Abschluss Deines Buches dort noch passiert?

Ich habe Newsletter abonniert, ich lese in Blogs hinein, ich halte Kontakt zu Fans, so versuche ich, am Ball zu bleiben. Allerdings ist das aus der Distanz natürlich etwas ganz anderes. Ein, zwei Mal pro Jahr versuche ich, ein Spiel zu sehen. Passiert ist in den vergangenen zwei Jahren seit der Handlung meines Buchs, dass das historische Stadion wohl nicht mehr zu retten ist, wenn bei den anstehenden Regionalwahlen nicht Außergewöhnliches passiert. Und in der vergangenen Saison hat Red Star erst in der 86. Minute des letzten Spieltags daheim den Abstieg vermieden, das muss ein Wahnsinn gewesen sein, der Mob ist ausgerastet, ich kenne das aber nur von Erzählungen und Fotos.

Welche weiteren Vereine interessieren Dich?

Wegen der geographischen Nähe meines Heimatviertels bin ich als Kind oft zu Rapid Wien gegangen, ich bin aber mit der autoritären Seite der dort alles dominierenden Ultra-Kultur nie zurechtgekommen. Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr zu Rapid, wenn ich am Wochenende Lust auf Fußball hab, geh ich in Wien zu den kleineren Vereinen wie der Vienna (2. Liga) oder dem Sportklub (3. Liga), manchmal einfach auch auf irgendeinen Stadtliga- oder Oberliga-Platz. Wir haben ja in Wien eine sehr reiche Fußballkultur, finde ich. Ich bin mehr ein allgemeiner Fußballfreund als ein Fan, wenn es jetzt um meinen Alltag geht.

Wenn Du etwas am heutigen Fußball ändern könntest, was wäre das und warum?

Ich weiß nicht, ob ich es ändern würde, aber der Profibetrieb koppelt sich immer weiter vom restlichen Fußball ab, ebenso, wie sich die Fußballerfahrung vom Stadionbesuch abkoppelt. Wir kennen wohl alle Menschen, die Fußball ausschließlich per Sky daheim oder im Lokal erfahren. Die Dominanz des Fernsehens zerfleddert die Spieltage, in Österreich wird eine Runde mit fünf Spielen auch mal auf drei Tage aufgeteilt, das ist absurd. Genauso absurd ist es, wenn sich irgendwelche Bauernbuben von irgendwo als glühende Manchester-, Barcelona- oder Bayern-Fans outen und jedes Wochenende vorm Fernseher sitzen, um ihren ‚Herzensverein‘ telepathisch zu unterstützen, am besten noch zu so einer absurden Anstoßzeit wie Sonntag, 21 Uhr. Aber gegen all diese Entwicklungen kann man wohl nichts machen, außer, die Leute auszulachen.

Glaubst Du, dass es noch einmal eine Wende im Profisport hin zu den alten Werten geben wird?

Ich weiß nicht, was die alten Werte genau waren, ob sie wirklich da waren, oder ob sie nur aus heutiger Sicht in die Vergangenheit hineingedacht werden. Aber in jedem Fall glaube ich: Nein.

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2 Kommentare zu “Interview mit Christoph Heshmatpour zu Mein Jahr mit dem Red Star FC”

  1. wie kann ich das buch bestellen? seit vielen jahren auch mein verein in fr
    fankreich

  2. Das Buch ist leider restlos ausverkauft.

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