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Interview mit Tobias Bierl vom Dünnpfiffbladdl
18. Februar 2009 Interviews

Seit einigen Tagen ist die fünfte Ausgabe des ‚Dünnpfiffbladdl’ erhältlich und erfreut sich größter Beliebtheit. Was einst als kleines Heft begann, fand schon in der vierten Ausgabe – die von vielen Hoppern als eines der besten Hefte auf dem Markt bezeichnet wurde – einen ersten Höhepunkt. Nun also machte sich der Herausgeber Tobias Bierl erneut daran, seine Erlebnisse der vergangenen Monate niederzuschreiben. Und als er dann fertig war, löcherte ich ihn mit meinen Fragen.

Tobias, mit Ende der Winterpause ist Dein neues Heft am Start. Was erwartet den Leser?

In Ausgabe Nummero Fünf erwarten euch handgezählte (…) 80.145 Wörter auf 96 Seiten. Inhaltlich werden dem geneigten Leser 115 Spielberichte aus 15 Ländern aufgetischt. Wer auf taktische Details und Infos über den Spielverlauf Ausschau hält, ist leider an der falschen Adresse. Vielmehr stehen die Eindrücke der Reise, Erlebtes, sowie das Kurvengeschehen im Vordergrund.

Dazu gibt es einen kritischen Blick über die EM 2008, sowie die Auswärtssaison des Drittligisten SSV Jahn Regensburg aus Ultrasicht. Auch die Freundschaftsbesuche von meiner Person zu den Freunden der Ultras Regensburg kommen nicht zu kurz.

Das wäre der Inhalt, das Layout ist komplett Oldschool, somit schwarz-weiß. Fotos können gesucht, aber nicht gefunden werden. Auf großen Schnickschnack wurde verzichtet, das Geschriebene zählt.

Ich komme nicht umhin, nachdem Namen Deines Magazins zu fragen. Wie bist Du auf diesen gekommen und was willst Du uns damit sagen?

Nun ja, was soll ich groß zu diesem Namen denn nun sagen. Ein jeder von euch weiß wohl, dass es auf gewissen Trips durch halb Europa der Spaß- wie der Dummlaberfaktor ein immenser Punkt ist, der niemals zu kurz kommt und auch nicht kommen darf. Von daher habe ich mein Fanzine einfach ironischerweise ‚Dünnpfiffbladdl’ genannt. Es sollte des Weiteren dazu noch ein kleiner Winkpfeil in Richtung Bayerischer Mundart gegeben sein.

Dünnpfiffbladdl 5 Nach fünf Ausgaben kann man mit Sicherheit ein kleines Fazit ziehen. Wie zufrieden bist Du mit den einzelnen Ausgaben und welche Reaktionen gab es bisher?

Was mit einer chaotischen Ausgabe Nummer Eins begann, hat mittlerweile ein einigermaßen ansprechendes Niveau in meinen Augen gefunden. Vor allem hat sich meine persönliche Ansicht zu gewissen Sachen die das Hoppen, das Reisen wie auch die Materie Ultra einiges geändert. So war im Nachhinein für mich auch die Reaktion der einzelnen Ausgaben klarer. Die Erste Ausgabe wurde noch eher als „bemüht, aber trotzdem lächerlich“ abgestraft, die Vierte als „eines der besten Hoppingzines, die derzeit auf dem Markt sind“. So wurden die Reaktionen logischerweise immer positiver, wobei ich mich persönlich über jede Kritik (ob negativ oder positiv) immer erfreuen werde.

Des Weiteren war es all die Jahre auch das einzige Fanzine in Regensburg, was sich etwas mit der hiesigen Ultramaterie auseinandersetzte – in nicht all zu entfernter Zeit soll es aber wieder ein offizielles Fanzine der Ultras Regensburg geben, nur kurz am Rande. Die bisher beste Ausgabe bleibt aber eindeutig die Nummer Vier, was in diesem Heft von mir an Spiele und Länder befahren wurde, erreiche ich so schnell nicht mehr, von daher legt die Messlatte derzeit ziemlich hoch, so kommt auch die aktuelle Ausgabe Fünf leider nicht heran.

Was möchtest Du in Zukunft noch verbessern?

Großartig ändern möchte ich eigentlich gar nichts. Das schlichte Layout mit Text in Lupengröße und dem nicht vorhanden sein von Bildern wird wohl auch in der Zukunft Bestand haben. Ein Fanzine gehört sich für mich sehr schlicht gehalten, der Inhalt sollte zählen und nicht die Layoutfähigkeiten der jeweiligen Schreiber. Ich hatte schon die buntesten Hefte unter meinen Fingernägel, die mich aber von vorne bis hinten nur langweilten, geschweige vom Preis, der oftmals bis zu 100 Prozent über einem einfachen Heft liegt.

Des Weiteren setzte ich mich auch sicherlich nicht unter Druck, das ich unbedingt in XXX oder AAA sein muss, nur um den Leser zu unterhalten. Ich schreibe das Heft im Endeffekt für mich selber, um eines Tages in grauer Nachzeit auf meine Erlebnisse zurückblicken zu können. Das es einen gewissen Leserkreis gibt, denen mein Geschreibsel interessiert, freut mich umso mehr.

Verbesserungswürdig ist eventuell das Erscheinungsdatum, etwas zeitnaher sollte in der Zukunft schon drin sein. Auch die Grammatik ist ein Punkt, für den ich etwas mehr Zeit nehmen könnte, aber hey, für mich ist Deutsch die erste Fremdsprache nach Bayerisch…

Mich persönlich würde es aber sehr freuen, sollten sich weitere Regensburger Fußballreisende entschließen, den einen oder anderen Bericht in meinem Heft beizusteuern. Am liebsten würde ich die Lektüre als Hoppingheft der Szene Regensburg betreiben, wobei hier aber der Wunsch wohl Vater des Gedanken ist.

Wie und wann bis Du eigentlich zum Groundhopper geworden und was waren Deine bisher interessantesten Reisen?

Was hat mich überhaupt zum Groundhopping gebracht? Es waren Bücher a la ‚Abenteuer Groundhopping’ respektive Fanzines wie ‚Around the Grounds’ oder ‚Beziehungskiste’ vor längerer Zeit. Als kleiner Junge mit verdammt viel Grün hinter den Ohren habe ich diverse Reiseberichte mit Argusaugen verschlungen, habe mich in die Lage hineingesetzt oder einfach nur über die erlebten Storys erfreut. Dies war für mich ein eindeutiger Kontrast zu dieser hiesigen Jugend in meinen Breitengraden, die sich eher den wöchentlichen Suff in der Dorfdisco, dem Aufmotzen ihres Wagens oder sinnlosen Gesprächen hingaben. Die ersten Touren folgten. Alleine mit dem Zug in die hiesige Landesliga, mal mit einem Kumpel mit dem SWT nach Belgien, ins kurze Ausland rüber etc. Will man z.B. Tschechien gesehen haben, möchte man auch mal in die Slowakei. Von dort gerne nach Ungarn. Rumänien? Schon viel gelesen und gehört, noch nie dort gewesen? Also muss ich auch mal hin. Landschaft in Skandinavien regt einem zu Freudetränen? Muss ich gesehen haben. Der Fußball in England ist Tod? Möchte ich mit eigenen Augen ansehen. Szene XX in Deutschland ist im Kommen? Kann sein, beurteile ich aber am Liebsten noch mit meinen eigenen zwei Augen und meinem Gehör.

Die interessantesten Reisen waren eigentlich immer Touren, wo nicht alles perfekt klappte bzw. organisiert gewesen ist, meistens mit dem Zug. Trotzdem hat jede Reise sein gewisses Etwas, sei es nur die 70 Kilometer zum Viertligaspiel in Tschechien. Für mich immer noch ein ‚Heraus aus den Alltag, heraus aus dem Gesellschaftstrott’. So kann ich eigentlich jeden Ausflug etwas Positives abgewinnen, wobei z.B. Zugtouren nach Moldawien, Athen, Istanbul, Stockholm, Sarajevo oder Catania halt schon noch eine andere Schippe sind. Hier erlebe ich Erlebnisse und Sachen, die ich mein Leben nicht mehr vergessen werde. Momente mit seinen allerbesten Freunde, die im erlebten Augenblick vielleicht eher schockierend oder missmutig sind, man sich aber später umso mehr daran erinnert.

Was macht für Dich die Faszination Groundhopping aus?

Zuvor schon leicht angeschnitten, vor allem das ‚heraus aus dem Alltagstrott’, respektive ‚anders sein als die üblichen Neuzeitmarionetten’, das waren zu Beginn oftmals meine Aspekte und sind sie heute noch zu großen Teilen. Zum Fußball an sich fahren bzw. in einer Ultragruppe tätig sein, hat schon ein gewisses Etwas, für das man öffentlich gern schief angesehen wird. Aber das Besuchen und Bereisen von fremden Ländern und der Besuch von belanglosen Spielen ist für mich das Salz in der Suppe.

Es hat schon was mystisches, einfach mal für einen Tag in eine neue Welt einzutauchen (Ausland). Dafür wird der geneigte Reisende zwar oftmals schief angesehen, in seinem Bekannten- wie Familienkreis, das Erlebte entschädigt aber natürlich für alles. Natürlich liegt einem auch wahnsinnig auch an dem Fußball allgemein, wenngleich mich der Viertligist AFK Chrudim mehr gab als z.B. der große FC Barcelona. Der Blick über den Tellerrand hinaus ist ebenso unbezahlbar, wie viele Menschen hängen den ganzen Tag vor der Glotze und bekommen ihrer Meinung von einer Zeitung mit den vier großen Buchstaben? Reisen bildet, macht offen und tolerant, lässt einem eigene Probleme ganz klein erscheinen im Gegensatz zum erlebten und gesehenen Elend, die einem auf einer Tour begegnet. Wobei die Definition ‚Groundhopping’ ziemlich unüberschaubar ist. Für die einen heißt es schnell hin zum Stadion/Land, Spiel ansehen, Kreuz machen, wieder heim. Andere wiederum blicken auch links wie rechts des Weges. Jeder muss für sich den richtigen Weg finden, auch wenn ich öfter mal den Kopf darüber schüttle.

Ein weiterer Anreiz ist natürlich das Kennen lernen von verschiedenen Fanszenen, Ultras über Lads bis hin zu Supporter. Zehntausend Leute hüpfen und singen beim Bukarester Derby, wo ich eine Gänsehaut bekomme. 50 Ultras von Avellino an einem Montagabend, die trotz eines hohen Rückstands immer noch inbrünstig ihre Farben besingen. Ein ganzes Stadion in Split was Kopf steht. Auch das sind für mich Eindrücke, die ich niemals missen möchte. Es muss nicht immer die große Anzahl an Supportern sein, selbst eine Kurve mit zwanzig Mann kann mich absolut überraschen, dagegen bringt vielleicht ein Block mit einer fünfstelligen Anzahl an Personen mir nur ein müdes Lächeln hervor. Du weißt oft nicht, was dich erwartet, du kannst positiv oder auch negativ überrascht werden. Auch dies ist für mich eine interessante Facette des Groundhopping.

Steht bei Dir Dein Heimatverein SSV Jahn Regensburg immer an erster Stelle oder hast Du schon Spiele aufgrund von Fußballreisen verpassen?

In erster Linie steht natürlich der eigenen Verein an vorderster Stelle, alles andere wäre auch mit dem Ultragedanken nicht unter einen Hut zu bringen. Mit der Zeit habe ich mir persönlich die Messlatte 30 Spiele+X in jeder Saison gesetzt. Dies habe ich auch die letzten sieben Jahren beinahe geschafft, unterbrochen wurde diese Serie nur durch unseren geliebten Deutschen Fußball-Bund (DFB), der mir die Erlaubnis entzog, Spiele auf seinem Gebiet in den höchsten drei Ligen zu besuchen. Für 0815-Spiele in der Landesliga Hessen Mitte zwischen Oderursel und Unterköllerbach verpasse ich mit Sicherheit kein Spiel meines Vereins, in den allermeisten Fällen befand ich mich zu diesem Zeitpunkt auf einer Tour, die sich über einen längeren Zeitraum hinwegzog. Diese Saison z.B. verpasste ich bisher drei Spiele, zwei davon zwecks einer knapp zweieinhalb wöchigen Balkantour, wo u.a. Athen und Istanbul mit dem Zug bereist wurde, bei dem anderen Kick verweilte ich auf Sizilien.

Generell verzichte ich hierbei aber lieber auf Heimspiele als auf Auswärtsspiele, bei letztgenannten ist jede einzelne Person umso wichtiger, besonders in so einer kleinen Szene wie der Unsrigen aus Regensburg. Glücklicherweise habe ich auch einen humanen Arbeitgeber, so dass ich kein einziges Spiel in meinem Leben bisher wegen des Brötchen scheffeln verpassen musste.

Welche Ziele stehen bei Dir in nächster Zeit auf dem Programm und gibt es darüber hinaus noch Regionen, die Du unbedingt noch bereisen möchtest?

Ziele hat jeder, dies ist auch mehr als gesund. Es soll nur nicht als Pflicht oder als eine Art ‚das muss ich jetzt machen’ angesehen werden, die Unbekümmertheit und der Spaß sollte immer noch im Vordergrund stehen. Wird das Hoppen eine reine Pflichtveranstaltung zum Kreuzchen setzen, laufe ich absolut in die falsche Richtung. Südamerika bleibt aber natürlich ein Ziel auf meinen geheimen Wunschzettel, genauso wie jeder weitere Kontinent auf Mutter Erde. Es soll aber auch eine mehrmonatige Tour für mich folgen, wobei der Zeitraum aber noch nicht genau feststeht. Gewisse Szenen und Derbys möchte ich ebenso gesehen haben, wie landschaftlich und kulturell reizende Gegenden. Konkret werde ich zum Beispiel die erste und zweite Liga Italiens vorher komplett haben, als die beiden Ligen in unserem Land. Hier sieht man schon kurz meine Interessen im Allgemeinen.

Der Spaß an den gesamten Fahrten sollte wie beschrieben nie zu kurz kommen, wobei ich mir aufgrund meiner Mitfahrer in diesem Punkt eher weniger Gedanken mache. Vielleicht werde ich eines Tages nicht mehr sieben Nächte in Folge im Zug verbringen, aber das Herz mit dem Hinweis ‚Fernweh’ werde ich immer in mir haben.

Welche anderen Fanzines und Fußballbücher liest Du gerne und warum?

Die Frage nach dem Warum (Fanzines brachten mich erst zu diesem Hobby) habe ich anfangs schon halbwegs beantwortet, von daher nur ein kurzes Statement. Ich respektiere eigentlich jedes Fanzine, da in jeder Ausgabe unheimlich viel Liebe und Hingabe des Machers steckt, von dem zeitlichen Aufwand ganz zu schweigen.

Generell spricht mich persönlich aber ein einfaches Layout viel mehr an, als ein Hochglanzprodukt. Dies ist aber mit Sicherheit nur meine subjektive Meinung. In Sachen Fanzines zu meinen Lieblingslektüren (in loser Reihenfolge) gehören sicherlich ‚Die Beziehungskiste’ aus Zwickau, ‚Asseltours’ und ‚Fränkisches Brot’ aus Nürnberg, ‚Dröhnbüttel’ aus Hamburg, ‚Hopp Hard’ aus Frankfurt, die genialen Niedergeschriebenen Reiseberichte eines Ted Strikers oder den Hoppinglektüren aus Magdeburg und Dresden, um nur einige mit dem Namen zu nennen. Ultrazines lese ich natürlich auch gerne immer wieder mal, wobei mir hier oftmals der eigene Stil abgeht und ich nicht mehr jedes Heft in die Hand nehme.

Bei den Büchern sehen meine persönlichen Vorlieben ähnlich aus. Dank des immensen Angebots an Büchern möchte ich jetzt auf keine speziellen Sachen eingehen.

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