Zwischen den Welten jetzt bestellen!!
Geschrieben von Stephan am 2. Oktober 2007

Der Großteil der Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, die ich in den vergangenen Monaten in den Händen hielt, haben mittlerweile tragende Rollen in unserem Büro übernommen – schiefe Böden müssen eben ausgeglichen werden und nichts ist bekanntlich nerviger wie ein schlecht schließender Schrank oder kippelnde Tische. Viele Werke wirkten, als wenn die Verlage rund um die WM nur das schnelle Geld machen wollten.

Als dann vor ein paar Tagen wieder einmal ein dicker Umschlag auf meinem Tisch landete, schaute ich mich bereits nach einem geeigneten ‚Arbeitsort’ für dessen Inhalt um. Dass diesem Buch dieses Schicksal erspart blieb, hatte es vor allem dem Umstand zu verdanken, dass es auf den ersten Blick authentisch wirkte. Nicht nur die gut gewählten Titelfotos auch der Name des Autors, Norman Schirmer, versprachen Qualität und einen ehrlichen Rückblick auf vergangene Fußballjahrzehnte. So öffnete ich den Deckel von ‚Bin beim Club – Der Chemnitzer FC und seine Fans’ und wurde nicht enttäuscht.

Mit interessanten Anekdoten und Bildmaterial, sowie Kopien aus Programmheften und Stasiakten gelang es Schirmer mich an sein Werk zu fesseln, auch wenn ich bisher nicht sonderlich viel mit dem FCK bzw. CFC zu tun hatte. So findet sich auf den 280 Seiten unter anderem die Eingabe eines Stasimitarbeiters vom 3. April 1978, in der sich selbiger beklagt, dass die ‚bösen’ Anhänger des FC Karl-Marx-Stadt „in Sprechchören immer wieder ‚rotes Schwein’ und ‚Schieber’ gerufen“ hätten und weiter, dass „in der Folgezeit bis zum Spielschluss nahezu alle Schiedsrichterentscheidungen mit Pfiffen und Zwischenrufen ‚rotes Schwein’ beantwortet“ wurden. Es handelte sich übrigens um ein Heimspiel gegen den BFC Dynamo, das mit einem 0:0-Unentschieden endete. Auch ist man erstaunt, dass zur damaligen Zeit die Stadionverbote noch im Programmheft veröffentlicht und die Leidtragenden mit Namen und Anschrift benannt wurden.

Aber es geht natürlich nicht nur um die Fans. Vielmehr gelingt es dem Autor mit seinem Rückblick auf die vergangenen himmelblauen Fußballjahrzehnte die Geschichte seines Vereins aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Dabei bleibt er glaubhaft und objektiv. So erfährt man, dass sich Ex-Trainer Heinz Werner nach seiner Amtsübernahme Mitte der 80er Jahre über die schlechten Arbeitsbedingungen beklagte: „Ich denke nur daran, wie ich das erste Mal in das Ernst-Thälmann-Stadion kam und die Mannschaftskabine sah. Da war kein Fenster drin, es war dunkel. Die Spieler konnten sich in dem engen Raum nur mit Licht umziehen. Und wenn ich mich dahin stellte und etwas sagen wollte, konnte ich die Spieler gar nicht sehen. Die waren hinter ihren Schränken versteckt. So konnte ich nicht arbeiten.“

Natürlich lässt der Autor die problematischen Themen nicht außen vor, wie bei dem Rückblick auf die Fahrt zu Croatia Berlin, als die Chemnitzer merkten, dass ab Dresden die Fans von Dynamo – die am gleichen Tag zu einem Auswärtsspiel nach Babelsberg reisten – mit im Zug sitzen werden: „Das Umsteigen in Dresden verlief noch recht problemlos, wir kamen unerkannt durch die Massen. Aber schon kurz danach flogen wir auf: Irgendjemand brüllte ‚Chemnitzer im Zug!’, und los ging´s. Die Assis stürmten den Waggon und wir sprangen auf, um die Treppen zum zweiten Stock zu verteidigen. Wir sahen uns schon auf dem Bahnsteig sitzen, als der Dicke Heinrich dazwischen ging und uns den Arsch rettete: ‚Keene Dinger hier, die gehör´n heute zu uns!’“ Dem Leser werden in mehreren Anekdoten die Randerscheinungen des Fußballs authentisch vermittelt, ohne die Gewalt zu verherrlichen.

Emotional wird über die Derbys berichtet. Schirmer gelingt es, die damalige Atmosphäre auf Papier festzuhalten und für den Leser erlebbar zu machen, wie beim 3:0-Erfolg am 22. September 2001 über den Erzrivalen in Aue: „Viele packende Spiele gab es schon in der Geschichte beider Vereine, doch dieses war ganz klar eines der außergewöhnlichsten. Hier hatte man es denen richtig gegeben. An diesem Tag zahlte Chemnitz zurück. Lange Zeit hatte man Hohn und Spott, gerade aus Aue, ertragen müssen. Die vielen beschämenden Niederlagen dort, die sieglosen Jahre, all das war an diesem Tag vergessen. Chemnitz das waren heute alle – Spieler, Trainer und diese fantastischen Fans. „Es war ihr Sieg“, wie auch Trainer Matthias Schulz nach der Partie anerkennend und grundehrlich befand.

Letztlich ist es die Mischung, die dieses Buch zu dem macht, was es ist – einer Pflichtlektüre für alle Fußballfans, die auch mal über den vereinseigenen Tellerrand hinausblicken. Erschienen ist es bei ‚Books on Demand’ und kostet 22,90 Euro.

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