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Geschrieben von Stephan am 30. August 2008

Mit dem Regionalligaaufstieg endete für den FC Sachsen Leipzig nicht nur eine lange sportliche Durststrecke, sondern es erschien auch die letzte Ausgabe des bekannten Fan-Magazins Culthoch64. In sechs Ausgaben berichteten die Macher äußerst niveauvoll von den Geschehnissen rund um die BSG Chemie, von der Gründung bis zur Neugründung. Wie es zu dem Heft kam, was über die Jahre passierte und warum nun Schluss ist, dazu stand mir mit Alexander Raithel einer der Herausgeber für ein paar Fragen zur Verfügung.

Mit der sechsten Ausgabe von Culthoch64 habt Ihr Euer Magazin eingestellt. Wie schwer fiel Euch die Entscheidung und welches sind die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben?

Mit der Entscheidung der BSG Chemie den Spielbetrieb aufzunehmen, war der Schritt nahe liegend. Ein Teil der Macher geht zur BSG Chemie, ein kleiner Teil weiter zum FC Sachsen oder beiden Vereinen. Ich selbst brauche eine Saison Pause von Leipzig-Leutzsch. Die Alternative zu einer Abschiedsausgabe wäre ein lautloses Verschwinden gewesen. Das hätte aber keinen Stil gehabt. Nicht alle Autoren von Culthoch64 standen zu 100 Prozent hinter der Einstellung. Das Magazin wurde allerdings als Fanmagazin für den FC Sachsen gegründet und hätte als solches nicht weiter bestehen können. Klingt nach Ultra-Mentalität, ist aber konsequent. Sonderlich gut habe ich mich dabei nicht gefühlt. Aber die Einstellung eines Magazins heißt ja noch lange nicht, dass die Macher ab sofort nur noch Rosen verschneiden werden.

Welches waren für Dich, über die Jahre gesehen, die interessantesten Artikel im Heft und warum?

Das ist für einen Redakteur schwer zu beurteilen. Ein Highlight war sicher das Interview mit einem Chemiker der ersten Stunde gleich in der ersten Ausgabe. Da habe ich als Interviewer mit offenem Mund dagesessen und fasziniert den Geschichten gelauscht. Das Interview hat dann gleich einen Platz in dem Buch „Sitzschale Nummer 15 lebt. Ein ‚Best of’ deutschsprachiger Fußball-Fanzeitungen“ bekommen. Was uns schon ein wenig stolz gemacht hat. Großartig finde ich immer noch den Bericht zur Auswärtsfahrt nach Wolfsburg – zu einem völlig unbedeutenden Kick der A-Jugend –  in der fünften Ausgabe. Zuerst wollten wir mit zehn Leuten einen Culthoch64-Betriebsausflug machen. Schließlich sind 150 Chemiker mit Bus und Bahn angereist. Unvergesslich.

Wie hatte es bei Euch immer mit der Zusammenarbeit geklappt und welche Probleme gab es?

Probleme? Wir? Nein, im Ernst. Es sind immer wieder die Klassiker: Artikel werden angekündigt, eingeplant und kommen dann später oder überhaupt nicht. Bilder fehlen. Die Druckerei hat Probleme mit dem pdf-File. Banges Warten, ob das Heft rechtzeitig zum einzigen Kassenschlager der Saison erscheint. An die Substanz ging allerdings die Spielabsage letzte Saison gegen Dresden-Nord. Das sächsische Innenministerium hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf der stand eine Auflage, die wir in den nächsten Spielen nicht mehr komplett loswerden konnten.

Wie wurde eigentlich Culthoch64 von der Szene, den normalen Zuschauern sowie den Verantwortlichen angenommen? Gab es Reaktionen, die Dich überrascht hatten?

Wenn mit Szene die aktiven Fans gemeint sind – sehr positiv. Teilweise gab es richtige Kritikgespräche, in denen von Schriftart, Bilderauswahl bis Inhalt alle Bestandteile ihr Fett abbekommen haben. Tut zwar manchmal weh, hilft aber auch weiter. Einige Fans haben manchmal den Unterschied zwischen Fanzine und Programmheft nicht begriffen. Aber auch unter denen hatten wir Stammleser. Überraschende Reaktionen gab es auch. Einmal war unser Blatt zu links. In der letzten Ausgabe wurde uns Parteinahme für die BSG Chemie vorgeworfen. Die schönste Reaktion: Ein Leserbrief der uns nach Leben oder Sterben der ‚Kutte’ fragte. Wir haben mit einem knallharten Tatsachenbericht geantwortet – und waren überrascht, dass viele Kutten offensichtlich sehr häufig eine Waschmaschine von innen sehen. Die Masse der Fans steht einem Fanzine aber sehr gleichgültig gegenüber; viele Reaktionen haben wir nicht bekommen. Die Offiziellen des FC Sachsen haben uns eigentlich immer unterstützt, wenn es darum ging, Einfahrgenehmigungen ins Stadion zu bekommen oder das Heft verkaufen zu können. Reaktionen auf das Heft gab es – mit Ausnahme überschwänglichen Lobes des damaligen Pressesprechers Uwe Loll – nie.

Hast Du nach dem Ende von Culthoch64 Lust an einem anderen Magazin mitzuwirken oder ist dieses Thema für Dich durch?

Na klar. Das hier ist doch ein guter Anfang. Ich versuche mir auch in Zukunft die Zeit zu nehmen.

Welches sind eigentliche Deine Lieblings-Fußballmagazine und auf was legst Du besonderen Wert?

Das 11-Freunde-Abo ist seit einem viertel Jahr gekündigt. Zum Schluss war es nur noch eine Pflichtlektüre, weil das Heft eben gerade im Briefkasten lag. Keinen Wert mehr habe ich auf deren Leserreisen, Sony-Reporter und Anzeigen-Bombardements gelegt. ‚Rund’ ist leider eingestellt worden. Den teilweise brillanten Reportagen trauere ich heute noch nach. Momentan lese ich kein Magazin regelmäßig. Und einen wirklichen Überblick über das deutsche Fanzine-Angebot habe ich leider nicht. Auch an Diskussionen wie ‚Old school’ vs. professionelle Aufmachung werde ich mich nicht beteiligen. Jedes Fanzine verdient Respekt. Zu einem guten Fanzine gehört Humor und Kritik in all seinen Facetten.

Dich hat es beruflich ja in den Süden gezogen. Inwieweit lässt sich das mit der BSG Chemie vereinbaren und gehst Du auch in Deiner neuen Heimat zum Fußball?

Letztes Jahr habe ich noch Fahrten wie diese gemacht. So etwas wird es diese Saison nicht geben. Die Situation in Verein und Fanszene im Zuge der Spaltung hat mir derart zugesetzt, dass ich für mich erst einmal das Fußballlied ‚Von Moskau bis nach Liverpool …’ aufleben lasse. Also erst mal ein wenig durch die Weltgeschichte reisen und wieder Lust auf den heimischen Fußball bekommen. Im Schwäbischen habe ich mir bisher Reutlingen gegen Ulm angeschaut. Und es werden auf jeden Fall noch einige interessante Spiele folgen. Stuttgart gegen Karlsruhe steht ganz oben auf der Liste.

Restexemplare der Culthoch64-Ausgaben 3 bis 6 sind noch hier im Shop oder unter culthoch64[at]mailueberfall.de zu erhalten.

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