Ein Sommer mit Sleman auf jetzt bestellen!!
Geschrieben von Stephan am 8. Juni 2009

Alexander Hoh war von 1985 bis 1995 Fußballhooligan. Er zog mit den Hamburger Hooligans/Ultras durch die Republik und hinterließ Scherben, Tränen, Wut und Unverständnis. Was für die einen kompletter Dumpfquark war, bedeutete für ihn und seine Horde den Sinn des Lebens. Nun hat er sich auf den Hosenboden gesetzt und zu dichten begonnen.

Eine Rezension von Frank Willmann

Ultrakulturen und Rechtsextremismus Hoh versucht dem Leben der ersten Hooligans freudvolles zu verleihen. Er beschreibt putzige Exzesse und reichlich infantile Suff- und andere Spielchen en Detail. Für eine bestimmte Fußballszene ist das sicher sehr lustig und amüsant. Als Fallstudie reicht ‚In kleinen Gruppen, ohne Gesänge! Unterwegs mit den Hamburg Hooligans’ nur bedingt. Denn er macht den gleichen Fehler wie die meisten Erinnerungswerke, er lässt das wahre Leben außen vor. Wir erfahren wenig bis nichts über seine Sozialisation und Entwicklung. Konflikte mit Familie, Freundin, Schule, Arbeitgeber werden nicht ausgetragen.

Es bleibt eine bloße Aneinanderreihung teilweise sehr schräger Anekdoten ohne wirklichen Tiefgang. Wobei Lebenstiefe zu vermitteln sicher nicht die Absicht des Autors gewesen sein mag.

Am Rande erfährt man aus dem Text etwas von ihrem Skinoutfit samt polierten Glatzen. Straßenkämpfen gegen Autonome in der Hamburger Hafenstrasse werden in einem Nebensatz erwähnt. Gerde diese Themen hätten interessiert, aber das erschien dem Autor wohl nicht witzig und cool genug. Er sich und sein Tun dabei hätte hinterfragen müssen. Doch Selbstreflektion geht im völlig ab.

England hat diesbezüglich bessere Bücher hervorgebracht, um die sich der verdienstvolle Trolsen-Verlag in Übersetzungen rührig bemüht. Bleibt zu hoffen, kommende deutsche Hoolhelden kratzen nicht nur an der Oberfläche, sondern bringen es auf den Elfmeterpunkt.

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Ein Kommentar zu “Bumm bumm, aua aua – In kleinen Gruppen, ohne Gesänge!”

  1. Man kann ein Buch fairerweise nur an den Ansprüchen beurteilen, dass der Autor selbst an es setzt. Wenn Herr Willmann von diesem Buch erwartet, dass der Autor Probleme mit Familie, Arbeitgeber oder seiner Freundin thematisiert (sofern es die überhaupt gegeben hat), und zusätzlich gerne hätte, dass der Autor vor seiner eigenen Vergangenheit zu Kreuze kriecht, oder gar das Werk zu einer Fallstudie heranziehen will, dann hätte er das Buch nach dem Vorwort getrost beiseite legen können.
    Und wenn Herr Willmann dann noch von einem Buch, dass über die Auswärtsfahrten(!) der Hamburger Hooligans / Ultras berichtet, eine größere Abhandlung über Auseinandersetzungen in der Hamburger(!) Hafenstraße erwartet, dann hat er doch ganz offensichtlich zum falschen Buch gegriffen.
    Das Herr Willmann gleich im ersten Satz den Namen des Autors falsch schreibt, sei dabei nur eine Randnotiz.
    Vielmehr spricht aus Herrn Willmanns Zeilen eine vorurteilsbesetzte Abneigung gegen Hooligans, die eine andere Betrachtungsweise auf das Thema gar nicht zulassen will.
    Von daher macht diese Rezension genauso viel Sinn, als wenn man den Duden nach seinem humoristischen Gehalt beurteilen wollte.
    In der Schule hätte man dazu früher gesagt: „Thema verfehlt, Sechs, Setzten!“

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