Die Kartons sind geöffnet, das Papier ist frisch aus der Druckerei: Das Zeitspiel Magazin 44 ist da. Die neue Ausgabe nimmt sich einmal mehr viel Zeit für Geschichten abseits des großen Fußballbetriebs und führt dabei an Orte, an denen sich Veränderungen besonders deutlich zeigen. Es geht um Umbrüche, Identität und Tradition, um Aufstieg und Niedergang, um Fußball unter besonderen Bedingungen und vor allem um Menschen und Vereine, die ihren Sport auf ganz eigene Weise prägen.
Der Osten, der Umbruch und die Suche nach Identität
Im Mittelpunkt steht diesmal ‚der Osten‘. 37 Jahre nach dem Beitritt der Neuen Länder, der ehemaligen DDR, zur Bundesrepublik scheint die deutsche Vereinigung in mancher Hinsicht weiter entfernt denn je. In der medialen Berichterstattung stehen häufig die Unterschiede zwischen Ost und West im Mittelpunkt, während gleichzeitig eine junge Generation heranwächst, die sich wieder stärker mit ‚dem Osten‘ identifiziert als viele Generationen vor ihr seit 1989. Zeitspiel nimmt diese Entwicklung zum Anlass für einen Blick in ‚den Osten‘ und fragt, wie sich gesellschaftliche Veränderungen, regionale Identität und Fußball miteinander verbinden. Denn auch auf den Fußballplätzen und in den Kurven erzählen Vereine ihre ganz eigenen Geschichten über Herkunft, Erinnerung und Wandel.
Um Veränderungen und die Folgen des Turbokapitalismus geht es auch beim TSV 1860 München. In Giesing ist nach dem Ende der Ära Ismaik zunächst einmal Aufatmen angesagt. Nun beginnt die schwierige Arbeit, die Schäden der vergangenen Jahre zu reparieren und in der Regionalliga Bayern einen Neustart zu wagen. Begleitet von den eigenen Fanscharen lebt dabei vor allem eines weiter: der Mythos des TSV 1860. Auch im Bergischen Land haben sich die sportlichen Verhältnisse verändert. Nicht mehr Wuppertal, Remscheid oder Solingen geben dort den Takt vor, sondern die SpVgg 03 Solingen-Wald. Das Magazin schaut auf diese Verschiebungen und erzählt von einem Fußball, in dem sich Macht und Bedeutung immer wieder neu verteilen.
Einen besonders drastischen Niedergang erlebt derzeit der FC Girondins de Bordeaux. Der Absturz des französischen Traditionsklubs ist beispiellos. Inzwischen spielt Bordeaux in der sechsten Liga und damit auf regionaler Ebene. Die Mannschaft tritt vor überschaubaren Kulissen in einem viel zu großen EM-Stadion an, während das Rugby-Team der Stadt die Zuschauer in den altehrwürdigen Parc Lescure lockt. Zeitspiel zeichnet die Chronik eines Niedergangs nach und blickt dabei auch auf das Verhältnis zwischen einem Verein, seiner Stadt und den Menschen, die ihm verbunden sind.
Von Bordeaux bis zum Polarkreis: Fußball zwischen Niedergang und Faszination
Fußball wird allerdings nicht nur dort gespielt, wo große Stadien stehen. Unsere Fotostrecke führt weit in den Norden Europas, bis an und jenseits des Polarkreises. In Norrbotten, der nördlichsten Provinz Schwedens, sowie im benachbarten Finnland und Norwegen gibt es Fußballplätze unter Bedingungen, die mit dem gewohnten Spielbetrieb Mitteleuropas wenig gemein haben. Die Witterung macht den Sport zu einer besonderen Herausforderung, dafür liefert die Landschaft spektakuläre Kulissen. Die schönsten Fußballplätze dieser Region stehen deshalb diesmal im Mittelpunkt einer besonderen Bildstrecke.
Auch die Kleiderkammer öffnet wieder ihre Türen. Torhüter und Linksaußen, so heißt es, ticken anders. Sicher ist zumindest, dass Torhüter für ihre Berufsausübung eine etwas andere Garderobe benötigen als ihre Feldspieler. Steve Appenowitz nimmt uns mit nach Mönchengladbach und gewährt einen Blick in den Kleiderschrank des langjährigen Borussia-Keepers Uwe Kamps. Dabei geht es natürlich um mehr als um Kleidungsstücke: Es ist ein persönlicher Blick auf eine Torhüterkarriere und ein Stück Fußballgeschichte.
Der Blick über den europäischen Tellerrand führt diesmal nach Ozeanien. Der Kontinent ist riesig und zugleich aus unzähligen kleinen Inseln zusammengesetzt. Für den Fußball bedeutet das eine enorme infrastrukturelle Herausforderung. Besonders schwierig ist die Situation für den Frauenfußball, der sich in der ozeanischen Inselwelt nur langsam entwickeln konnte. Doch die Entwicklung ist stetig. Zeitspiel begibt sich auf eine Reise in eine außergewöhnliche Fußballwelt, in der Entfernungen, Inseln und begrenzte Möglichkeiten den Alltag bestimmen und der Fußball dennoch seinen Weg findet.
Unterbau und die Geschichten hinter dem großen Fußball
Auch im Unterbau des deutschen Fußballs tut sich einiges. Das Sachsenring-‚S‘ ist wieder da, bei Kickers Offenbach bricht Euphorie aus und der 1. FC Lokomotive Leipzig steht nach zwei gescheiterten Relegationsversuchen vor einem schwierigen Neustart. In Lübeck sorgt unterdessen ein interner Konflikt unter Fans für Unruhe, während man sich in Gau-Odernheim mit einem ganz praktischen Problem herumschlagen muss: Es fehlt an Platz. Geschichten wie diese zeigen einmal mehr, wie vielfältig der Fußball unterhalb der großen Bühnen ist und wie eng Vereine, Fans und ihre Umgebung miteinander verbunden sind.
In Jays Corner geht es diesmal nach Köln. Wo früher ein Verteidigungsgürtel für die Stadt angelegt war, verteidigen heute die Nachwuchs- und Frauenmannschaften des 1. FC Köln ihre Tore. Die Franz-Kremer-Sportanlage im Kölner Grüngürtel steht dabei stellvertretend für die vielen Orte, an denen Fußball täglich stattfindet, ohne dass Kameras und große Schlagzeilen davon Notiz nehmen.
Natürlich dürfen auch die bekannten Rubriken nicht fehlen. Krisensitzung, Weltfußball und Fußballwelt, Kurvenblick, Sautter spricht, Singing Area, Nadelkissen, Früher war alles besser, Unverzichtbares Wissen, Trinkpause, Buchmacher und die Stimme aus dem Kuchenblock sind ebenfalls wieder Teil der neuen Ausgabe.
So unterschiedlich die Themen von Zeitspiel 44 auch sind, sie verbindet ein gemeinsamer Blick auf den Fußball: als Sport, als Geschäft, als Teil regionaler Identität und vor allem als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen. Es geht um Vereine, die sich neu erfinden müssen, um Traditionen, die verschwinden oder wiederentdeckt werden, um Orte, an denen Fußball unter widrigsten Bedingungen gespielt wird, und um Menschen, die ihren Verein und ihre Fußballkultur am Leben halten. Das neue Zeitspiel Magazin ist damit einmal mehr eine Reise zu den Geschichten hinter dem Ergebnis und zu den Orten, an denen Fußball mehr bedeutet als neunzig Minuten auf dem Platz.