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Geschrieben von Stephan am 6. November 2007

Das Schlechteste am ganzen Heft ist der letzte Absatz des Vorworts, in dem folgendes geschrieben steht: „Abschließend noch die Info, dass ‚Im Zeichen des Brustrings’ erst in einem Jahr erscheinen wird, da sich die Macher nach den Strapazen der letzten Jahre eine kleine schöpferische Pause gönnen werden.“

Eine Rezension von yeti

Schade, denn in Heft Nummer zehn steckt so viel Gutes, dass man kaum dazu bereit ist, so lange auf die nächste Ausgabe zu warten. Schon der Historienbericht vom Spiel Napoli vs. VfB Stuttgart sollte jedem jungen Fan den blanken Neid ins Gesicht treiben. Was damals los war, wird wohl nie mehr zurückkommen, wie gut, dass es für die Brustringträger auch in der Gegenwart sehr gut lief. Denn das macht mit Sicherheit auch einen Teil der Qualität dieses Hefts aus. Der VfB Stuttgart hat in der Saison 2006/07 eine sehr beeindruckende Rückrunde gespielt und deshalb macht es dem Leser einfach Spaß zu lesen, wie die Schreiber der Spielberichte bis kurz vor Schluss nicht an das Unglaubliche zu glauben bereit sind, um dann von einer Welle aus Fassungslosigkeit und unbändiger Freude überrollt zu werden. Großartig.

Was dieses Heft jedoch ausmacht, ist der Blick über den Tellerrand. So finden die Macher selbst für den Tag an dem sie Meister wurden noch kritische Worte, weil ihnen der Platzsturm unter Androhung ungeheuerlicher Konsequenzen vom Verein und der Polizei untersagt wurde. Dennoch absolut überzeugend und glaubwürdig, vollzog das Heft doch schon einige Ausgaben zuvor eine Wandlung hin zu einem fanpolitisch hochwertigen Fanzine. Mir lagen dank der Redaktion von ‚IZdB’ auch Auszüge älterer Ausgaben vor, an denen man den Reifeprozess sehr gut fest machen kann.

Doch zurück zur aktuellen Ausgabe, die dem Leser auch verrät, was hinter dem Namen des Zines steckt. Für alle Googlefaulen: Seit dem 1925 Jugendspieler des VfB auf die Idee kamen, einen brustumspannenden, roten Ring auf den Trikots der Schwaben zu platzieren, ist der rote Cannstatter Brustring, der mit Ausnahme einer Saison stets Bestandteil der Spielkleidung war, ein wichtiges Stück Tradition geworden.

Ein weiteres Highlight des Hefts ist der Reisebericht eines Ausgesperrten von der Fahrt nach Bochum, der sehr emotional schildert, wie es ist, wenn vor den Stadiontoren Schluss ist. Auch der Einblick in die zehnjährige Geschichte des ‚Commando Cannstatt’ und die Hintergrundinformationen zu ihrer Jubiläumschoreo in Wort und Bild wissen zu gefallen.

Hier alle Höhepunkte des Hefts zu erwähnen, würde den Rahmen bei weitem sprengen, deshalb noch ein Wort zu den Konstanten im Heft: Seit der Ausgabe vier finden sich zwei Rubriken im Heft, die aufgrund der Kontinuität einen guten Gradmesser für zwei Bereiche des Fanseins darstellen: Die Schwanzvergleiche geben ein ganz interessantes, wenn gleich auch nicht sehr objektives Bild von Fußballdeutschlands Erstligisten ab. Dass hier Hertha und Frankfurt mit 19 Zentimeter gleichauf liegen, hätte sicher nicht jeder gedacht. Aber auch die Fanzine-Rezensionen haben Substanz und sind nicht ganz so kritisch, wie die Schwanzvergleiche.

Optisch macht das Heft ebenfalls einiges her, denn das aus Kostengründen nur vier der 120 Seiten farbig sind, reißt das gelungene Layout vollends raus. Wer sich dazu entscheidet, drei Euro gegen die zehnte Ausgabe von ‚Im Zeichen des Brustrings’ zu tauschen, muss schon fast mit dem schlechten Gewissen leben, die Macher zu bescheißen, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit augenscheinlich in dem Heft steckt.

Bei all der Begeisterung möchte ich den Brustring ähh Kreis zum Ende meiner Rezension schließen und mir noch eine kritische Anmerkung erlauben: Die Auflage von 1.000 Heften erscheint mir doch sehr dürftig. Schade, dass man so vielen interessierten Fußballfans den Zugang zu diesem sehr gelungenen Stück Fankultur verwehrt.

Vielen Dank an Thomas Holl für die vielen interessanten Inhalte älterer Ausgaben und das geduldige Beantworten meiner Fragen.

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