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Geschrieben von Stephan am 7. Februar 2009

Seit knapp zwei Wochen ist nun das Buch ‚Anstoß in Baku’, welches bereits viele Leser gefunden hat, erhältlich. Sehr authentisch berichten die vier Autoren in diesem Werk über ihre große Leidenschaft – Fußballreisen in die abgelegensten Ecken der Welt. Mit Mirko Otto stand mir nun einer der Macher für einige Fragen zur Verfügung, um über das Buch und sein Hobby zu berichten.

Mit ‚Anstoß in Baku’ ist in der vergangenen Woche Euer erstes Buch erschienen, wie sind bisher die Reaktionen ausgefallen und wie zufrieden bist Du selbst damit?

Durch die bisher recht kurze Verkaufsphase ging bislang noch keine einzige Reaktion bei uns ein. Ich selbst bin mit dem Gesamtwerk sehr zufrieden. Im Großen und Ganzen war es für mich aber ein schönes, weil unbekanntes Terrain, vor allem Einblicke in gänzlich neue Bereiche, wie die Zusammenarbeit mit einem Lektor haben mir persönlich viel gegeben und im Nachhinein betrachtet unendlich viel Spaß gemacht. Hätte ich im Vorfeld überhaupt nicht gedacht.

Worin bestehen die Unterschiede zu anderen Hopping-Büchern, z.B. der Abenteuer Groundhopping-Reihe von Jörg Heinisch?

Eigentlich gibt es ja gar keine anderen Hopping-Bücher, bis auf dass von dir angesprochene. Der Unterschied liegt natürlich ganz klar bei den Berichten. Während das Buch von Jörg Heinisch auch andere Dinge rund ums Groundhopping beleuchtet, haben wir uns dazu entschlossen einfach drei unkommentierte Reiseberichte zu veröffentlichen. Solche gibt es zwar auch in zuvor genanntem Buch, jedoch mit dem Unterschied, dass bei uns die Reise (inhaltlich) im Vordergrund steht. Im Endeffekt sind es mehr Erzählungen und Kurzgeschichten von Reiseerlebnissen, denn eine Erklärung zum Thema Groundhopping. Ich denke, dies ist der elementarste Unterschied.

Anstoß in Baku Groundhopper gelten ja oft als Einzelgänger, wie schwer war es da, zu einem gemeinsamen Projekt zusammenzufinden?

Ach ja? War mir eigentlich bislang noch gar nicht so aufgefallen. Hier muss ich aber erwähnen, dass sich keiner der Autoren wirklich als Groundhopper sieht, geschweige denn mit diesem Begriff identifizieren kann. Er wird eben nur gewählt, um Außenstehenden zu verdeutlichen, was man da eigentlich macht. Zwischen Groundhoppern und uns liegt doch eine gewisse Spannbreite. Wie die sich äußert, ist schwer zu erklären. Weniger ernsthaft, mehr Blicke nach Links und Rechts auf den Pfaden und einfach etwas mehr Lockerheit auf den Reisen dürfte es wohl am ehesten treffen. Da es im Endeffekt auch nur vier Autoren waren, die allesamt sehr gut kenne, war ein gemeinsamer Konsens bezüglich des Buches absolut kein Problem, eher eine Minutensache gipfelnd in einer kurzen Absprache.

Was war Dir bei der Arbeit an Eurem Buch besonders wichtig?

Besonders wichtig war mir, dass die Berichte ehrlich und ohne Zensur geblieben sind. Hasstiraden oder auch mal ein gehässiger Spruch in einem fremden Land gehören eben dazu, genau wie die unverblümte Schilderung der Zustände vor Ort. Trotz derartiger Reaktionen ist meinerseits ständig der Respekt vor fremden Gefilden vorhanden (sonst würde ich da ja auch nicht hinfahren), aber grad wenn man länger auf Tour ist, entstehen hin und wieder extreme Momente in denen man sehr gereizt ist und folglich auch alles und jeden verflucht. Das zeigt aber die Anstrengungen denen man auf solchen Touren ausgesetzt ist und soll in den Texten auch dementsprechend rübergebracht werden. Die daraus resultierende Authentizität dürfte wohl einen Großteil der Berichte ausmachen.

Wichtig war mir des Weiteren, dass die Schilderungen ausführlich und auch mal ins Detail gehen, die Schreiberlinge etwas Persönliches von sich selbst reinbringen. Keine kalten, kurzen Textbausteine, anhand derer kein Mensch nachvollziehen kann, was man eigentlich auf so einer Reise erleben kann, sofern man denn will.

Kannst Du jetzt schon sagen, ob es einen Nachfolger von ‚Anstoß in Baku’ geben wird und gibt es andere Hopping-, Fan- oder Fußball-Projekte, an denen Du gerade arbeitest?

Bislang ist in diesem Kontext nichts geplant. Das Buch war sowieso mehr oder weniger eine Schnapsidee, gerade weil viele Leser der ‚Beziehungskiste’ oder von Ted Strikers Heften immer wieder lapidar vorgeschlagen hatten, die Texte doch mal in einem Buch zusammenzufassen. Ein derartiges Projekt ist auch nicht von heute auf morgen erstellt, und kostet auch nicht gerade wenig Geld. Deswegen planen wir da überhaupt nichts, sondern überlassen die Entscheidung den Lesern bzw. Käufern.

Ansonsten ‚arbeite’ ich momentan an der sechsten Ausgabe von ‚Pseudokibicow’, die um den 17. Februar herum erscheinen wird und schreibe natürlich weiterhin fleißig Berichte für die ‚Beziehungskiste’. Arbeit ist in dem Zusammenhang aber nicht das richtige Wort, da es eigentlich eher Hobby und Passion ist. Für mich bietet dass mehrmalige Schreiben von meinen Erlebnissen unter der Woche vor allem das komplette Abschalten meiner gesamten Umwelt und eine Menge Zerstreuung und Entspannung. Außerdem gibt’s ja nach vielen Monaten Pause eine Menge aufzuholen. *schmunzelt*

Ihr besucht teilweise Spiele, die vom Umfeld und den sportlichen Leistungen gerade mal Ober- bzw. Verbandsliganiveau erreichen. Was ist so faszinierend daran, dafür über 1.000 Kilometer bis ins tiefste Osteuropa zu reisen?

Abgedroschene Phrase, aber ‚Der Weg ist das Ziel’. Vielleicht weil es gerade diese unterklassigen Begegnungen sind, wo man noch halbwegs den Entdeckergeist spüren kann. Heutzutage kann man ja eigentlich alles von zu Hause aus perfekt planen. Kicker-Matchkalender liefert schon Monate vorher die genauen Uhrzeiten, der Billigflieger bringt einen für eine lächerliche Summe bequem hin und zurück, mit den Ausdrucken von google-maps in der Hand marschiert man schnurstracks zum Ground, ohne herumzuirren und die betreffenden Fanszenen kennt man alle schon bis ins Detail, dank youtube und diverser Foren. Wieder zu Hause kann man zwar erzählen in der großen, weiten Welt gewesen zu sein, aber der straff durchorganisierte Trip war letztlich nichts anderes als ein Bürotag… Einige Worte zum Nachdenken, die vielleicht mit deiner Frage nur über mehrere Ecken was zu tun haben, aber doch irgendwo wahr sind.

Was werden Deine persönliche Highlights für das Frühjahr 2009 sein und warum freust Du Dich auf diese Spiele?

Konkret gibt’s da eigentlich keine. Ich muss ehrlich gestehen, dass die Zeit in der ich mich auf spezielle Spiele fokussiert und mich schon Wochen vorher auf diese Begegnungen gefreut hab, längst vorbei ist. Mir ist mittlerweile das Gesamtpaket wichtiger. Ich freu mich zum Beispiel jetzt schon auf einen Trip in den unteren Ligen Mitte Juni mit netten Leuten, die man nicht so oft sieht, genauso wie auf eine bevorstehende Tour auf den Balkan, bei der noch nicht mal die exakten Spiele feststehen. Für mich ist eigentlich jeder Ausflug über die Landesgrenzen genial und keiner gleicht dem anderen.

Und dann noch ein Blick auf die Konkurrenz. Welche Bücher oder Magazine liest Du gerade selbst und welche davon würdest den Leser empfehlen?

Ich lese eigentlich alles, was auf dem Markt erscheint. Besonders herausheben möchte ich hier keine Magazine, denn für mich sind wirklich ALLE derzeit aktuellen Hopper-Fanzines durchweg lesenswert. Was mir in den letzten Monaten besonders positiv aufgefallen ist, dass sowohl Hopp Hard, Dröhnbütel oder das Dünnpfiffbladdl eigentlich alle ihren eigenen Stil pflegen, aber trotzdem für jeden Leser mit viel Laune und Hingabe über ihre Erlebnisse berichten. Ich denke in dieser Kategorie hat sich wirklich die Qualität durchgesetzt und ich freu mich über jede neue Ausgabe, einfach weil sie allesamt coolen Lesestoff bieten. Sie lassen mich mitlachen, mitleiden, vermitteln aber auch Wissen, oder geben Anregungen für eigene Fahrten. Ich kann nur jeden dazu ermuntern ein Bier weniger zu trinken, dass Geld lieber in ein Fanzine zu investieren, die Glotze und den PC am Abend mal auszulassen und sich stattdessen gemütlich aufs Bett zu legen und in den diversen Heften zu schmökern.

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