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Zwangsdeportiert Es scheint so, als das umso mehr sich der Profifußball von der Basis entfernt, gleichzeitig auch umso mehr Fanzines das Licht der Welt erblicken. Mit Sicherheit wäre es interessant festzustellen, ob es da einen Zusammenhang gibt. Zu den druckfrischen Neuerscheinungen in diesem Jahr gehört auch das Zwangsdeportiert. Um was es in diesem inhaltlich geht und wie der Titel des Heftes entstanden ist, erklärt mit Jonas der Herausgeber in dem folgenden Interview höchstselbst.

Hi Jonas, Du hast ein neues Heft herausgebracht, kannst Du der Leserschaft vielleicht einen kleinen Einblick in den Inhalt geben?

Yoo, Moin Stephan. Danke erstmal für die Aufnahme des Heftes in deinem Shop und damit einhergehend auch für die Möglichkeit, mich hier auf deiner Plattform zu Wort melden zu können. Inhaltlich handelt das Zine von meinen ersten Schritten, kontinuierlich Spiele meines Vereins, der SG Dynamo Dresden und damit auch verbunden des FSV Zwickau zu besuchen. Mit der Zeit kam dann der ein oder andere Bumskick dazu, bis hin zu zwei Ausflügen nach Polen oder Spielbesuche in Österreich und der Schweiz. Genauer gesagt beleuchten meine Gastschreiber und ich die Spielzeiten 2017/18 und 2018/19.

Ein paar Eishockeyberichte haben auch ihren Weg ins Heft gefunden, da ich die Sportart, trotz der starken Kommerzialisierung in den oberen beiden Spielklassen, ziemlich abfeire und das Allgäu im Winter natürlich ein Paradies für Eishockeyfans darstellt. Hinzu kommt außerdem die eine oder andere Fanzine-Rezension, wobei weniger auf einzelne Ausgaben der Hefte eingegangen wird, sondern eher eine allgemeine Vorstellung erfolgt. Intention dahinter war und ist, Leuten, die bisher wenig Einblick in die Fanzine-Kultur haben, gewisse Hefte ans Herz zu legen und für jene Empfehlungen auszusprechen, wobei es natürlich unmöglich war, alle nennenswerten und guten Hefte unterzubringen, aber da gehen wir sicher im Folgenden noch drauf ein.

Was willst Du mit dem Titel Zwangsdeportiert aussagen?

Ich hatte ewig nach einem passenden Namen fürs Heft gesucht und das Layout war schon so gut wie fertig. Zwei Kumpels waren in dieser Endphase der Hefterstellung bei mir und fragten dann mal, warum meine Eltern und ich damals überhaupt aus Dresden wegzogen. Ich erzählte dann die Story und der eine haute raus: „Also von den Eltern zwangsdeportiert.“ Dann dachte ich mir, wäre ja ein geiler Name und passt irgendwo auch. Quasi unter Zwang meines geliebten Vereins entrissen, ohne große Möglichkeit, Spiele noch live im Stadion verfolgen zu können, da man fortan an nur an wenigen Wochenenden im Jahr nach Dresden fuhr, um Familienmitglieder etc. zu besuchen. Das hat mich Mega angekotzt, nur vorm Videotext-Liveticker oder Sport im Osten hängen zu können und ab und zu mal ein Blick auf ein Youtube-Video mit Stimmungsausschnitten zu erhaschen.

Naja, im Endeffekt hatte ich dann nicht weiter über den Namen nachgedacht oder diesen großreflektiert. Mein Fehler. Hab dann eine Leseprobe im engen Umfeld rausgehauen, da hatte das auch niemand mit einer politischen Äußerung oder gar Holocaust-Relativierung verbunden. Sowas würde auch klar meiner persönlichen Einstellung und meinen Werten widersprechen, was die aufmerksamen Leser_innen in so manch Report auch erkennen können. Als du dann meintest, dass es ein schwieriger Name sei, wurde mir das dann aber recht schnell klar, aber da waren viele Hefte schon gedruckt, in meinem Umkreis an die Leute gebracht und das Kind somit schon in den bekannten Brunnen gefallen. Kotzt mich jetzt selbst übelst an, gerade da dadurch irgendwie dieses klassische Dynamo-Klischee bestätigt werden könnte. Da mich mittlerweile eine weitere negative Rückmeldung zum Namen erreichte, bin ich ernsthaft am überlegen, eine potentielle Fortsetzung – an der schon gearbeitet wird – unter einem anderen Namen rauszuhauen. Wäre halt nichts beschissener, als wenn Leute das Heft nicht lesen möchten, da Ihnen der Name missfällt und zu viel Raum für Spekulationen bietet.

Mittlerweile kommen ja viele Hefte komplett in Farbe heraus. Du hast Dich für ein schwarz-weißes Heft im Copyshop-Style entschieden, warum?

Das hatte vielerlei Gründe: Einerseits wollte ich unbedingt bei null anfangen, so wie es eben die Zine-Macher Ende der 90iger bzw. Anfang der 2000er machen mussten. Sprich Word, Copyshop, selbst tackern und dann ab die Post. Deswegen die Oldschool-Optik. Gut nach 1953 Anfällen durch OpenOffice bin ich dann doch auf Scribus umgestiegen und in den Copyshop rennen hat ein dort arbeitender Kumpel für mich übernommen, aber das selbst tackern blieb, hehe. Sorry an alle, die ´ne krumme Tackerklammer ertragen müssen. Andererseits wollte ich die Druckkosten so gering wie möglich halten, um einen Betrag an die Schwarz-Gelbe Hilfe abgeben zu können. Und zu guter Letzt, gefällt es mir einfach, wenn´s schlicht gehalten ist, wobei ich gegen ein verspieltes Farbdesign auch nichts hätte.

Was waren für Dich in den vergangenen Jahren die interessantesten Erlebnisse beim Fußball?

Also zuallererst sei da definitiv das Aufstiegsjahr 2011 der SGD zu nennen, auch wenn es nicht unbedingt mit dem Heft zu tun hat. Ich hatte das Glück, gegen Ende der Rückrunde dreimal in den K-Block gehen zu können, da ich aufgrund familiärer Dinge in dem Zeitraum öfters mal übers Wochenende in Dresden verweilte. Die ganze Spannung von Spiel zu Spiel, das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Relegationsplatz und diese Euphorie innerhalb der Fanszene. Dann das Spiel in Offenbach, was ich vor dem TV verfolgte und die beiden Relegationsspiele gegen Osnabrück, wo der Koch das Ding da in der 118. Minute zum 3:1 reinhaut und die Bullen und der Mob schon den Platz in Anspruch nehmen – wobei eigentlich noch zwei Minuten plus x zu spielen waren. Das war utopisch, wenn auch nur vor dem Fernseher. Und ich glaub vielen Jungschen ist das gar nicht so wirklich bewusst, aber wenn man so will, ist das der erste richtige Erfolg, den eine Generation von Dynamofans wirklich bewusst miterlebt hat.

Um den Bogen aber zurück zum Zine zu spannen, sind da die interessantesten Erlebnisse sicher die ersten beiden Spielbesuche in Polen und das erste von mir besuchte Spiel des FSV Zwickau. Bei Ersterem coole Reisebegleitung, keine Sprachkenntnisse und so weiter, beim Zweiten der klare Kontrast zwischen Dresden und Zwickau. Zudem auch zwei, an direkt aufeinanderfolgenden Tagen, geschehene Aktionen. Wir fuhren nach einem Zwickau Spiel direkt weiter zu Dynamo. Da hätten wir zweimal fast teuer Lehrgeld bezahlt. Nach dem FSV-Auswärtsspiel erspähten uns paar Leute der Heimszene und legten uns nahe, so schnell es geht den Bahnhof aufzusuchen. Obwohl wir uns schon unauffällig verhielten. Am nächsten Tag bei Dynamo die ganze Chose nochmal, wobei einer auch ´ne Schelle kassierte. War auf jeden Fall interessant und prägend. So hoppelt halt der Hase…

Wie verbringst Du die Zeit während der Pandemie? Eintrittskarten und Fotos sortieren?

Also ich muss sagen, während des ersten Lockdowns ging mir alles nur noch am Arsch vorbei. Das Jahr 2020 begann Scheiße, da mir schon Sturm Sabine Mitte Februar und die damit verbundenen Zugausfälle eine geile Tour zu Nichte machten und als man gerade on Fire war, kommt diese scheiß Pandemie. Da hatte ich erstmal richtig die Schnauze voll und widmete meine Zeit meinen kleinen Geschwistern und der Family. Irgendwann im Sommer hab ich dann mit der Arbeit für das Heft begonnen und wieder zu den bis dato zwar bestellten, aber auf dem Schreibtisch liegengelassenen Zines gegriffen und eifrig drauf losgelesen. Anfang August war Besuch aus Dresden da, dann gingen die ersten Kreisliga-Dinger wieder los, wo man sich die Zeit etwas vertreiben konnte. Naja, mittlerweile sind wir seit vier Monaten im zweiten Lockdown und für Fußball vor dem TV kann ich mich gerade wenig begeistern. Fast täglich treffe ich mich mit einem guten Kumpel und dann hecken wir eifrig Pläne für die Zukunft aus, hehe. Ansonsten hab ich das große Glück meinem Job weiterhin normal nachgehen zu können und bau ordentlich Überstunden auf, um – sollte die Gesamtsituation irgendwann wieder in bessere Bahnen laufen – gleich mächtig durchstarten zu können.

Welche anderen Magazine und Bücher zum Thema Fußball würdest Du empfehlen und warum?

Der Fanzine-Markt bietet ja mittlerweile eine sehr, sehr große Vielfalt an verschiedensten Heften. Hoppinghefte, Gruppenzines, überregionale Hefte in sehr guter Qualität und Ausführlichkeit. Da ist es schwierig wirklich alle guten Dinger hervorzuheben, gerade da viele Hefte auch einen unterschiedlichen Ansatz verfolgen. Ich denke bspw. BfU und Diaro di Calcio zu vergleichen oder hier in einem Atemzug zu nennen wäre verkehrt. Ich probiere trotzdem mal meine Lieblingshefte ohne Reihenfolge aufzulisten: Einmal hätte ich da die Republikflucht, welche stets durch ihren genialen Schreibstil, meist verbunden mit irgendwelchen geilen Stories, Top-Infos rund um die Fanszenen, aber auch dem genialen Layout und starken Bildern besticht. Der Grobe Schnitzer taugt mir auch sehr. Coole Rubriken, nicht nur Spielberichte, sondern ab und an mal ein Interview usw., dazu komplett in Farbe – Feier ich.

Gut, Blickfang Ultra und Polska Kibolska gehen immer, da findet man stets Top-Sachen. Faszination PL lese ich auch sehr gerne oder krame ich ab und an mal aus dem Schrank obwohl ich´s schon mal durch hatte. Vom Diaro di Calcio war ich sehr positiv überrascht, der Trespass ist auch immer schick. Absolut faszinierend finde ich die letzten Ausgaben des Erlebnis Fußball. Krass, was hier immer auf die Beine gestellt wird, insbesondere natürlich die ausführlichen Interviews unter anderem mit der Virage Est, der Schickeria und neulich der Grazer Sturmflut, nicht zu vergessen UGE in der Ausgabe zuvor. Die Ausgabe 10 vom Hajopei fand ich auch sehr geil geschrieben und das schnörkellose Outfit dazu sehr cool. So Klassiker wie die Beziehungskiste gehen natürlich immer. Derzeit durchstöbere ich den neuen Landshuda Blauhelm. Dürfte so ziemlich das einzige noch erscheinende, reine Eishockeyheft sein und präsentiert diesmal ein cooles Bandy-Spezial. In der letzten Ausgabe gab’s auch ein ausführliches Interview mit Gioventu Ingolstadt, definitiv eine runde Sache. Gruppenhefte gibt es zur Genüge Gute, wie das Block West Echo von Rapid in Vollfarbe und Din A4-Format oder das StoCCarda aus Stuttgart im selben/ähnlichen Outfit.

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