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Geschrieben von Stephan am 3. November 2007

Hardcore-Soziophaten aufgehorcht! Aus Liverpools düsterem Nebel hat sich ein Buch ins gute, alte Germany aufgemacht: The Boys from the Mersey. Der Autor nennt sich Nicholas Allt. Ein rechter Schlingel ist’s, ein wahrer Fußballbösewicht. Ein Scarfer, wie sich die harten Purschen von Englands schmutziger Küste nennen.

Eine Rezension von Frank Willmann

„Und überhaupt, ich wollte nicht noch ein weiteres Saturday Kid werden, wie The Jam später sangen. Du weißt schon: Arbeit von neun bis fünf, montags bis freitags, und dann jeden Samstag ins Wettbüro oder Klamotten kaufen gehen, um nachmittags den vorbeischlendernden Sharons oder Traceys hinterherzstarren und sich schließlich abends vollaufen zu lassen, dabei bemüht, den gleichen Sharons oder Traceys nachzustellen, in der Hoffnung auf eine Portion nackter Titten nachts um halb vier.“

Nick verwandelte sich in einen Annie Road Ender. Der Fußball-Mob von Liverpool FC, der nicht wie die normalen Scarfers auf dem Liverpooler Kop stand, sondern auf der gegenüberliegenden Seite, dem Anfield Road End. Dort wurzelten die närrischsten Fans. Und ihr FC Liverpool hatte ihnen in den Siebzigern und frühen Achtzigern einiges zu bieten. Europapokale, Meisterschaften, nationale Pokale wurden reihenweise eingesammelt.

Mit hohem Witz erzählt Allt von seinen Ausflügen mit Liverpool durch England und Europa.

Die Fans fahren prinzipiell schwarz mit Bahn und Fähre. Allt schafft es sogar, ein paar mal schwarz zu fliegen. Im heutigen Zeitalter des 9-11 Sicherheitswahns unausführbar.

Natürlich haben sie nur in den seltensten Fällen eine Eintrittskarte dabei. Woher auch das Kleingeld nehmen? In England herrscht Maggie Thatcher, ich nehme an ihr wisst, was das bedeutet? Arbeitslosigkeit, Armut, Massenentlassungen. Allt und seine Kumpels aus dem Arbeitermilieu hatten selten einen Penny auf der Tasche. Aber sie waren listig, schlau. Und sie besaßen einen Traum. Mit Liverpool durch England, durch Europa ziehen. Irgendwie schafften sie es in jedes Stadion. Sie schlichen sich ein, beklauten Schwarzhändler, mogelten sich durch die Drehkreuze. Auswärts stellten sie allerlei Possen an. Kein Geschäft war vor ihnen sicher. Adidasschuhe, ihre Fred Perry Klamotten und sonstiger Hooliganschnickschnack wurden selbstverständlich stets geklaut. Ab und an wandert einer in den Knast, zum Ende des Buches schmort in jedem größeren Kerker Europas ein Scouser. Treuherzig waren alle Arbeiterjungs Labourfans. Unbestimmt links, gegen die böse Maggie, gegen die Konservativen aus dem Süden. Egal ob Chelsea FC, Arsenal oder Conservative Party.

Doch ihr Gesellschaftsideal blieb unbestimmt. Es ging ihnen auch nicht darum, die Welt zu verbessern. Sie wollten Arbeit. Sie wollten umsonst trinken. Umsonst Fußball gucken, sich mit Gleichgesinnten kloppen. Bis in alle Ewigkeit:

„Die Fußballfahrten, soweit es mich betraf, verloren jedoch nie ihren Reiz. Noch heute brauche ich eine gute Dosis Fußball, so drei oder vier Mal die Woche, sonst bin ich auf Entzug. Und wir sprechen hier über gute dreißig Jahre Konsum. Schon ´ne gewisse Gewohnheit.“

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