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Kurz vor Weihnachten hatte es mit ‚Meine Zeit beim AFC Wimbledon‘ noch eine interessante Neuerscheinung auf dem Buchmarkt gegeben. Für sein Erstlingswerk ist der Autor Daniel Roth neun Jahre lang in die Welt des von Fans geführten Vereins eingedrungen und hat rund einhundert Heim- sowie Auswärtsspiele der Dons miterlebt. Zu seinem Buch und seinen Erlebnissen mit dem englischen Fußball nahm er sich nun etwas Zeit, um einige Frage zu beantworten.

Hallo Daniel, kurz vor Weihnachten ist Dein erstes Buch mit dem Titel ‚Meine Zeit mit dem AFC Wimbledon‘ erschienen. Wie sind bislang die Reaktionen zu diesem ausgefallen?

Zunächst mal war das Coole für mich, dass Christoph vom Verlag die Berichte gut fand und sie als Buch herausgebracht hat. Auf das fertige Buch gab es auch schon die eine oder andere Rezension oder einmal einen Kommentar. Das bewegt sich alles im grünen Bereich, wobei auch mal die Qualität des kleinen Bilderteils kritisiert wird. Die 11 Freunde hat sich aufgrund meiner Verweise im Buch wohl etwas gedisst gefühlt und etwas dünnhäutig reagiert, wobei da aber auch etwas Positives geschrieben wurde.

Was erwartet den Leser in Deinem Buch?

Meine Zeit beim AFC Wimbledon Ich würde sagen, es ist eine Art Mischung aus Hopping-Zine, Fanzine und der aktuellen Fußballfibel-Reihe. Ich habe über einige Jahre die Spiele des AFC Wimbledon besucht und immer mal wieder einen Bericht zu einem Spiel geschrieben. Dabei fungiert das eigentliche Spiel meistens nur als Aufhänger für die Geschichten, die ich zum Verein zu erzählen hatte.

Das kann mal die Crazy Gang und der Pokalsieg aus der 80ern sein, ein Vergleich von Wimbledon mit dem FC St. Pauli, eine Analyse der britischen Kunst des Pöbelns oder auch ein Exkurs über den FC United of Manchester und das Verhältnis zu ihnen. Während meiner Zeit beim Verein habe ich versucht, möglichst tief in die Welt um den AFC Wimbledon einzudringen. Das habe ich in den Berichten verwenden können und ich denke, man erfährt von mir mehr, als von Berichten in der 11 Freunde oder in irgendwelchen Sportteilen der großen Zeitungen.

Was hat Dich am AFC Wimbledon so sehr gefesselt, dass Du dort hängen geblieben bist?

Zum Teil ist das in der besonderen Geschichte um die Neugründung 2002 begründet, den Verein hatte man natürlich schon irgendwie auf dem Schirm. Als ich dann 2010 nach London gezogen bin, waren meine Wohnung und meine Arbeit aber auch tatsächlich in der Nähe, so dass ich dachte, ich schaue da mal vorbei und gucke mir das an. Das hat dann ein paar Jahre lang angehalten.

Wie unterscheidet sich die deutsche und englische Fankultur im Allgemeinen und inwieweit hebt sich diese beim AFC noch einmal ab?

Trotz des ungewöhnlichen Ansatzes, dass die Fans den Verein besitzen, würde ich den AFC Wimbledon und seine Szene als typisch englisch charakterisieren. Als mal die Fans der Wycombe Wanderers eine Trommel dabei hatten, haben sich die Anhänger der Dons in einem Gesang etwas unflätig darüber lustig gemacht: You can stick your drum up your arse.

Das ist einfach alles so weit weg vom europäischen Ultra, vom Anspruch, als Fanszene überhaupt irgendwie geschlossen aufzutreten und sich zu verbessern. Bei den meisten Vereinen kann man von einer Fanszene im eigentlichen Sinn wohl gar nicht sprechen. Der Organisationsgrad auch auf Auswärtsfahrten ist erschreckend gering. Beispiele wie der FC United of Manchester, der Clapton CFC, Crystal Palace (Holmesdale Fanatics) oder Leicester City (Union FS) sind eher die Ausnahme.

Anfangs hatte ich die Hoffnung, dass auch der AFC Wimbledon in dieser Hinsicht etwas anders aufgebaut ist. Das ist auch eine Art Leitmotiv meiner Berichte: Auszuloten, wie Umfeld und Fanszene funktionieren, wie man das alles charakterisieren kann.

Nach dem Neuanfang spielt der AFC mittlerweile wieder in der dritten Liga mit. Traust Du dem Verein für die kommenden Jahre den Sprung zurück nach ganz oben zu?

Ich dachte bereits in der vierten Liga, dass das Ende der Fahnenstange erstmal erreicht wäre. Dann sind sie über die Playoffs doch noch eine Liga hochgerutscht. Normalerweise würde ich sagen, dass es vorläufig kaum noch höher gehen kann. Andererseits gibt es immer wieder große Überraschungen wie die Meisterschaft von Leicester oder auch den Aufstieg des AFC Bournemouth von der vierten Liga in die Premier League.

Vieles wird mittelfristig von der Stadionfrage abhängen. Der Plan ist, ab nächster Saison in einem neuen und größeren Stadion zu spielen. Das hängt aber aufgrund von Finanzlöchern aktuell am seidenen Faden.

In dieser Spielzeit trifft der AFC auch wieder auf die Milton Keynes Dons. Wie ist die Atmosphäre bei diesen besonderen Spielen?

Bei den ersten beiden Aufeinandertreffen in Milton Keynes war ich damals dabei. Das ist natürlich purer Hass, wobei es aber nicht dieser Derby-Hass ist. Wenn Schalke gegen Dortmund spielt oder Rapid gegen Austria, dann freuen sich ja alle auf die Partie. Das war aber ein Spiel, das die Fans von Wimbledon nicht wollten. Viele haben das Spiel boykottiert, weil sie den Verein aus MK nicht anerkennen.

Deine Heimat liegt ja in der Kurve des VfB Oldenburg. Nimmst Du dorthin etwas vom AFC mit und versuchst Du dort Dinge zu beeinflussen bzw. zu verändern?

Ursprünglich bin ich Fan von Wattenscheid 09, aber da war ich immer nur schwach vernetzt. 2006 bin ich dann so ein bisschen in die aktive Szene beim VfB Oldenburg reingerutscht, als ich dort wohnte und zu den Spielen ging. Auch heute noch bin ich unter dem Namen Cody Teil des Oldenburger Hopping-Zines Spoony.

Ich bin aber bei den Spielen kaum noch da und selbst wenn: Was sollte man denn aus England mitbringen? Wir brauchen ja nicht Drumherum reden: Der Support in England ist Mist. Wobei, ich überlege es mir gerade vielleicht doch noch mal. Wenn die Tribüne mal in Wallung kommt, dann singen die Leute auch wirklich mit, das hört sich dann tatsächlich nach etwas an. Dass 200 Leute am Singen sind und dann doch nur etwas Gemurmel ankommt, das gibt es in England und beim AFC Wimbledon so nicht. Das könnte man vielleicht mitnehmen.

Wenn Du etwas am heutigen Fußball ändern könntest, was wäre das?

Ach, das ist dann ja immer die Einladung, mal gegen den Kommerz abzuledern. Ist ja auch richtig, aber was bringt das denn? Ich bin mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass ich sage, lasst doch die europäischen Großvereine ihre eigene Liga gründen. Die Fans toben sich dann bei vielleicht etwas weniger modernem Fußball in den nationalen und regionalen Ligen aus. Dann können sie auch gern gleich die Vereine von Rattenbrause mitnehmen.

Was uns die Geschichte des AFC Wimbledon lehrt: Es ist ein Fehler, Vereine in eine GmbH auszugliedern und Anteile zu verkaufen. Das ist pures Gift, ist einfach so. Mir ist aber klar, dass man mit dieser Einstellung inzwischen als trotteliger Romantiker abgestempelt wird. Ist beim VfB Oldenburg leider auch mit wenig Widerstand passiert. Und unglücklicherweise ist das aufgrund der Finanznöte auch eine Diskussion, die beim AFC Wimbledon aktuell geführt wird. Das wäre das Ende des Fan-Vereins. Schon bitter.

Welche anderen Magazine würdest Du empfehlen und warum? Gibt es vielleicht auch Bücher zum Thema, die Du gerne gelesen hast?

Zum Großteil lese ich Hopping-Zines, am besten gefallen mir Scheiß AFD und der Dröhnbütel (R.I.P.). Auch den Daggl lese ich gern, sowie immer wieder BfU. Schon krass, was für eine lange Reise das Heft schon hinter sich hat. Die Pseudokibicow-Reihe war auch schön.

Hin und wieder darf es auch mal ein Buch sein. Zuletzt hat mir das von Lehmi ganz gut gefallen, zum Thema England auch 92 – Eine Reise durch Mutterland des Fußballs. Vor etlichen Jahren war ich von Eine Saison mit Verona ziemlich angetan. Prinzipiell lese zum Thema Fankultur alles gern, was einen gewissen Tiefgang hat, aber nicht intellektuell oder akademisch daherkommt. Auch Historisches immer wieder gern, beim AFC Wimbledon gab es mal ein Fanzine namens The Historical Don. Ein paar englischsprachige Bücher über den Verein habe ich mir mal angeschaut, da kann man schon etwas mitnehmen. Hardy Grüne ist auch immer wieder ein Vergnügen. Bald will ich mal das Buch über Austria Salzburg ‚Wir hören niemals‘ auf lesen.

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Ein Kommentar zu “„Das ist einfach alles so weit weg vom europäischen Ultra“ – Interview mit Daniel Roth von Meine Zeit beim AFC Wimbledon”

  1. Vielen Dank!

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