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Fußballheimat Mecklenburg-Vorpommern Trotz der Corona-Krise gibt es auf dem Buchmarkt auch in diesem Jahr etliche Neuerscheinungen. Der Autor Marco Bertram ist dabei ebenfalls sehr aktiv und hat in den vergangenen Monaten zwei Bücher fertiggestellt. Dabei handelt es sich um die Fußballheimat Brandenburg und die Fußballheimat Mecklenburg-Vorpommern. Um die Leserschaft auf diese beiden neuen Werke einzustimmen, nahm sich Bertram etwas Zeit, um in dem folgenden Interview einige Fragen zu beantworten.

Hallo Marco, in den vergangenen Monaten hast Du mit der Fußballheimat Mecklenburg-Vorpommern und der Fußballheimat Brandenburg gleich wieder zwei Werke auf den Markt gebracht. Könntest Du zunächst allgemein sagen, um was es in dieser Buchreihe geht?

Moin Stephan, also ich muss schon sagen, das war ein echter Kraftakt. Vor anderthalb Jahren schrieb ich eine Rezension zum Band ‚München und Südbayern‘. Ich fand den Grundgedanken dieser neuen Reihe des arete-Verlages spannend und fügte in der Rezension ganz hinten an, dass es erfreulich wäre, wenn es auch mal Bände über die Region Nordost geben würde. Postwendend kam eine Mail vom Verlag mit dem Vorschlag, dass ich doch ein Band übernehmen könne. Mecklenburg-Vorpommern war noch frei. Für Berlin gab es indes bereits einen Autor. Gebongt! Der Verleger kam nach Berlin, wir quatschten lange und ich schlug vor, dass ich parallel auch gleich Brandenburg schreiben könnte. Nach zehn Probetexten waren die Verträge unterschrieben, und innerhalb eines Jahres wurden beide Projekte gestemmt, wobei die reine Schreibarbeit dann für beide Bücher rund ein halbes Jahr dauerte. Das aber mitunter sehr intensiv. Wie sagt man so schön? Mir glühte der Schädel. All die Vereine, Historien und Zahlen.

Um zur Frage zu kommen: In den Büchern werden jeweils einhundert Standorte (plus ein Bonus-Standort) vorgestellt. Angedacht waren vom Verlag auch Grabstätten und Geburtshäuser einstiger Fußballgrößen, doch davon kam ich ab. Ich wollte möglichst viele Vereine der jeweiligen Region vorstellen – und das wirklich gut verteilt. Neben den Platzhirschen sollte es auch originelle Standorte geben, die manche noch nicht kennen. Die Bücher sollen schlichtweg Lust machen, sich ins Auto oder in die Bahn zu setzen und nach Ort XY zu düsen, um dort ein Fußballspiel mitzunehmen oder einfach die Gegend und den Sportplatz zu besichtigen. Mir war es wichtig, ein paar witzige Anekdoten und ein paar Ausflugstipps mit einzubauen. Wobei allerdings das Korsett sehr stramm saß. Ich mag es bekanntlich lang und ausufernd – da waren 2.000 Zeichen pro Kapitel für mich eine echte Herausforderung…

Bist Du eigentlich alle Standorte, die in den beiden Büchern vorkommen, abgefahren?

Ich hatte bereits vorher etliche Standorte besucht. Anders wäre das Ganze auch nicht zu machen gewesen. Innerhalb von sieben, acht Monaten noch mal fix über einhundert Standorte abzufahren – das wäre nicht machbar gewesen. In Brandenburg hatte ich bereits weitaus mehr im persönlichen Archiv, da ich ja hier aus der Region komme. Da liegt einiges quasi direkt vor der Haustür. Glücklicherweise arbeitete am Band über Mecklenburg-Vorpommern Michael Fritsche mit. Einige werden ihn noch vom Fanzine ‚Der Grenzgänger‘ kennen. Tausend Dank an ihn! Ohne ihn hätte ich es in der kurzen Zeit definitiv nicht geschafft. Er übernahm rund ein Drittel der Standorte. Brandenburg schrieb ich indes ganz allein, wobei ich fototechnisch auch Hilfe von einigen Leuten bekam. Ich besuchte von Sommer 2019 bis Februar 2020 noch so viele Standorte, wie es halt möglich war. Dabei ging es vor allem um Fototouren nach Rostock, Bad Doberan, Kühlungsborn sowie Cottbus, Velten, Hennigsdorf und Frankfurt (Oder). Bei den letzten offenen Standorten Wittenberge und Neustadt (Dosse) machte mir bereits Corona einen Strich durch die Rechnung. Aber in Sachen Fotos wurden wir schnell fündig im Archiv.

Worin liegt für Dich die Besonderheit des Fußballs in Mecklenburg-Vorpommern und welche Stadien haben Dich besonders fasziniert?

Für mich war und ist Mecklenburg-Vorpommern eine zweite Heimat. Ich träumte als Kind immer davon, mit dem Rad gen Norden zu strampeln. Nach Sundevit. So wie es im berühmten Kinderbuch beschrieben war. Dem Meer entgegen, der warme Wind von vorn. Ich liebte meine Aufenthalte an der Küste in den 1980er Jahren. Besonders das Ferienlager in Breege auf Rügen. Während ich von den damaligen Reisen an die Küste noch alles parat im Kopf habe, geriet mein Ferienlageraufenthalt im Thüringer Wald in Vergessenheit. Wenngleich ich auch das Wandern in den Bergen mag, ich wollte immer an die Küste. Ich liebte auf Usedom die Weiten und die Ruhe, als wir 1989 im Hinterland in Mölschow auf einem Bauernhof wohnten. Ich fand – ähnlich wie in Brandenburg – vor allem die kleinen abgelegenen Ortschaften spannend.

Auf vielen Touren durch die Stadien des Landes wird Marco Bertram von Sohn Dominik begleitet.

Da ich Mitte/Ende der 1990er oft in Rostock/Warnemünde war, um die Segelscheine in Theorie und Praxis zu machen und den einen oder anderen Übungstörn für unser späteres großes Segelprojekt in Angriff zu nehmen, wuchs mir diese Stadt richtig ans Herz. Ähnlich war es mit Schwerin, wo ich 1996 meine große Liebe des Lebens fand – und verlor. Nun schweife ich wieder ab. Um auf die Frage zurückzukommen. Die Paulshöhe in Schwerin und das Stadion der Freundschaft in Stralsund gehören ganz klar zu meinen Favoriten. Klingt jetzt nicht so originell, doch mit beiden Spielstätten verbindet mich was. Dynamo Schwerin und der Kampf um die eigene Spielstätte auf der einen Seite, der traurige Abgang des FC Pommern Stralsund auf der anderen Seite. Spannend fand ich zudem meine Streifzüge – ähnlich wie dann auch in Cottbus und Frankfurt (Oder) – durch die Stadtgebiete von Rostock, in die man sonst eher selten kommt. In Rostock gibt es ja nicht nur den F.C. Hansa. Ähnlich wie es in Cottbus ja nicht nur den FC Energie gibt. Auch davon erzählen die Bücher.

Wie stark sind in Deinen Augen eigentlich der Fußball und die Fankurven in MV vom großen F.C. Hansa Rostock geprägt?

Völlig klar, der F.C. Hansa ist omnipräsent. Man erzählt, dass Schwerin die einzige größere Stadt in Mecklenburg-Vorpommern ist, in der die Hansa-Fans nicht in der Mehrheit sind. Wobei das die Schweriner Hansa-Fans gewiss anders sehen. Es gibt ja auch keine genauen Zahlen. Auf der einen Seite haben die SG Dynamo Schwerin und auch der FC Mecklenburg Schwerin und die ‚Piraten‘ aus Pampow etliche Fans hinter sich, auf der anderen Seite gibt es dort seit der Wendezeit zahlreiche HSV-Fans. Allerdings treten diese eher kaum mit Graffiti und ähnlichem in Erscheinung. Von daher hat Hansa natürlich auch in Schwerin das Sagen. Egal, wo man in Mecklenburg-Vorpommern ist, man wird immer auf Aufkleber und Graffiti des F.C. Hansa Rostock stoßen. In der Landesliga kann sich im Ligaalltag schon mal untereinander gekabbelt werden, doch beim nächsten Hansa-Spiel stehen alle wieder gemeinsam auf den Rängen.

Was ist Dir auf Deinen Reisen durch Brandenburg besonders in Erinnerung geblieben und welche Stadien haben Dich überrascht?

Der hohe Norden ist meine zweite Heimat, doch hier in Brandenburg am Rande von Ost-Berlin bin ich einst aufgewachsen. Als Kind fuhr ich mit meinen Eltern im Zug nach Müncheberg und Buckow, um dort zu wandern – 35 Jahre später versackte ich mit den Spielern auf dem idyllischen Platz in Waldsieversdorf nach einem Heimspiel und hatte einen unglaublich lustigen Nachmittag und Abend. Und so ist das in vielen Fällen. Im vergangenen Spätsommer sah ich ein Abendspiel beim MTV 1860 Altlandsberg und saß dort mit dem Bier auf der warmen Wiese. Einfach herrlich! So was hatte ich natürlich mehr hier in Brandenburg vor den Toren Berlins, weil es ja für mich nur ein Sprung ist. Ich lernte viele tolle Sportplätze kennen. Die Derbys in Oranienburg und Bernau, die Freitagabendspiele in Falkensee-Finkenkrug, ein Ausflug nach Eggersdorf/Petershagen – es macht alles richtig Laune. Überrascht hatten mich mitunter die Sportanlagen in Cottbus. Dolle Dinger in Cottbus-Ost und bei den Eisenbahnern im Süden der Stadt. Und zu Lokomotive Frankfurt muss ich auch mal! Was für eine Zeitreise auf dem dortigen Sportplatz. Richtig dufte war es auch mit den Jungs aus Trebbin beim Kreispokalfinale in Großbeeren. Ach Mensch, der Amateurfußball fetzt einfach ungemein!

Marco Bertram zu Gast im Frankfurter Stadion der Freundschaft.

Was sind für Dich die Besonderheiten der Fankultur in Brandenburg und gibt es eigentlich abseits des FC Energie Cottbus und des SV Babelsberg 03 noch weitere richtige Fanszenen?

Da kommt gleich wieder Wehmut auf, wenn ich an die genialen Stadien in Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) und Hennigsdorf denke. Würden der FC Stahl und der 1. FC Frankfurt doch wenigstens in Oberliga oder gar Regionalliga spielen! Ein gewisses Potential wäre doch überall vorhanden. Auch in Eisenhüttenstadt. Massen würden nicht mehr kommen, doch wenigstens mal 500 bis 1.000. Das wäre doch schon mal was! Kleine Anhängerschaften gibt es an einigen Standorten. Von den ‚Suptras‘ des VfB Trebbin hatte ich vorher noch gar nichts gewusst, doch der Auftritt beim besagten Kreispokalfinale war klasse. Kennen dürften die meisten Leser ja auch die ‚Falkenseer Jungs‘. Diese gehen auch zu Union, Hertha und Hansa, unterstützen aber nach Möglichkeit bei jedem Spiel den SV Falkensee-Finkenkrug. Und ich erwähnte es ja bereits, die Stadtduelle in Bernau und Oranienburg sind nicht zu verachten. Neulich wurde ich drauf aufmerksam gemacht, dass auch beim Aufsteiger SV Zehdenick 1920 was geht. Leider hatte es dieser Verein nicht ins Buch geschafft. Manchmal hatte ich einfach die Qual der Wahl…

Könntest Du vielleicht einen kurzen Einblick geben, woran Du aktuell arbeitest und was wir demnächst von Dir erwarten dürfen?

Bääähm! Ich bin gerade im Schreibfluss und arbeite an zwei weiteren Büchern. Ein geplantes Buch über die 80er und 90er stellte ich doch erst einmal hinten an. Es rennt ja nicht weg. Ich gab indes Hansa Rostock den Vorzug. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, doch es wird einen richtig fetten Brocken geben. 400 Seiten mit Fotos und Berichten von 1988 bis 2020. Es ist quasi ein Gemeinschaftswerk, an dem einige langjährige Hansa-Fans mitwirken. Die einen geben Fotos und Infos, die anderen liefern auch Texte. Zum anderen schreibe ich ein Buch über Vorwärts Berlin/Frankfurt, das auch ein wenig in die literarische Richtung gehen wird. Zwei fiktive Figuren führen den Leser durch das Berlin der 50er und 60er sowie das Frankfurt (Oder) der 70er und 80er. Auch hier möchte ich noch nicht zu viel verraten. Ihr dürft gespannt sein! Vielen Dank für das Interview und einen lieben Gruß an alle! Wir sehen uns auf den Sportplätzen und in den Stadien! Sport frei!

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