Lebe lieber außergewöhnlich 3 jetzt bestellen!!

Was wollt' ich noch gleich in Wladiwostok? Groundhopping gehört noch immer zu den exotischen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Ganz besonders dann, wenn dieses auch noch so ausgelebt wird, wie es Frederick Johann getan hat. Mit seinem Opel Corsa reiste er durch die Welt, um abgelegene Fußballplätze aufzusuchen. Eine dieser Touren führte ihn dabei von Wiesbaden über Moskau bis nach Wladiwostok. Was er auf dieser ungewöhnlichen Reise erlebt hat, kann nun in seinem Buch ‚Was wollt‘ ich noch gleich in Wladiwostok?‘ nachgelesen werden. Zudem nahm sich der Autor etwas Zeit, um einige Fragen zu beantworten.

Hallo Frederick, Dein erstes Buch ist gerade erschienen. Was darf der Leser darin zu erwarten?

Während der knapp drei Monate langen Autofahrt kam auf 26.695 Kilometern Wegstrecke allerhand lesenswerter Stoff zusammen. Im Inhalt geht es neben den besuchten Fußballspielen, um Begegnungen mit anderen Reisenden und Einheimischen, die Vorbereitung der Reise, das Beschreiben der Städte und Landschaften, Rückblicke auf frühere Fahrten durch die Ex-Sowjetunion, aber auch eine Analyse, warum das Bild von Russland in Deutschland so negativ dargestellt wird. Ein wenig Sozialkritik konnte ich mir leider nicht verkneifen, das gehört einfach zu meiner nachdenklichen Persönlichkeit. Langeweile blieb während der Reise ein absolutes Fremdwort.

Einst bin ich regelmäßig mit einem A-Corsa von Berlin zu einer Kaserne in MV gefahren, um meinen Wehrdienst abzuleisten und war jedes Mal heilfroh, auch nicht viel weiter mit dem Wagen fahren zu müssen. Wie bist Du da auf die Idee gekommen, mit einem Corsa die Fahrt von Wiesbaden bis nach Wladiwostok anzutreten?

Damals hatte ich eben ‚nur‘ einen Corsa zur Verfügung und mal ganz ehrlich, mit einem größeren und wertvolleren Fahrzeug hätte ich sicher auch etwas gezögert wegen der Sicherheit um das Auto. Damals war ich ja schon einige zehntausend Kilometer mit meinem Corsa durch ganz Europa gereist. Selbst das in Sibirien getroffene Weltenbummlerpaar aus Neuseeland schwörte auf ihren Corsa und da waren wir uns einig, dass unterwegs nichts anbrennt. Letztlich klappte die Reise ja wie am Schnürchen.

Der Corsa steht vor dem Moskau-Wladiwostok-Monument zwischen Chita und Chabarovsk, unweit des Abzweiges Richtung Kamtschatka/Jakutsk.

Könntest Du kurz die größten Unterschiede zwischen der deutschen und russischen Fankultur zusammenfassen.

Im europäischen Teil von Russland sind die Unterschiede gar nicht so groß, fährt immer eine stattliche Anzahl an Gästefans mit, zumindest von den großen und bekannten Clubs. Sobald du das Ural-Gebirge Richtung Sibirien überquerst, nimmt die Größe der Fanblöcke deutlich ab und die Auswärtsfahrer kannst du zumeist an einer Hand abzählen. Beim FK Chita begrüßte der Anführer der überschaubaren Heimszene die sechs Fans aus Wladiwostok auch einzeln per Handschlag, bei insgesamt 5.500 Kilometern Reiseweg sicher eine schöne Geste des Respektes.

Wurdest Du häufig wegen Deines fremden Kennzeichens angesprochen und wie sind die Reaktionen auf Deinen Reisegrund ausgefallen?

Im europäischen Teil wird man meistens nur etwas seltsam gemustert, je weiter man aber nach Osten reist, desto freundlicher und neugieriger werden die Menschen, wobei immer eine gewisse Distanz gewahrt wird. Niemand geht dir in Russland offensichtlich auf den Keks und diese Art der Zurückhaltung gefiel mir sehr gut. Meine 21 Vignetten an der Frontscheibe lockten natürlich zusätzlich Neugierige an, aber ich nahm mir für jeden Interessierten Zeit. Da sich mein russisch nur spärlich besserte, konnte man nur die Reiseroute mit der Zeit erklären, für die Erklärung meines Antriebs und die Hintergründe fehlten mir die Sprachkenntnisse, leider!

Was war für Dich das prägendste Erlebnis dieser Reise?

Es gab natürlich viele geniale Momente und Zufälle verschiedenster Art. Der Höhepunkt war sicher das Treffen und Kennenlernen vieler interessanter Menschen im Hostel von Wladiwostok, wo ich glücklicherweise einen zweiten Autofahrer aus Maribor/Slowenien kennenlernen durfte, der ebenso meinen Weg fuhr. Mir gefielen einfach die Nächte im Corsa in der Weite von Russland immer wieder oder auch wie unreal sich das Fahren im Moskauer Verkehrschaos anfühlte. Jede Momentaufnahme in Sibirien oder im fernen Osten zauberte mir während der Fahrt spontan ein Schmunzeln ins Gesicht.

Nur noch 713 Kilometer bis an das Ziel der Reise…

Hast Du bereits neue Planungen, um mit Deinem Corsa die Fußball-Welt zu entdecken?

Leider entschied der TÜV im Frühjahr 2018, dass die Reise für meinen Kleinen zu Ende ging. Da war einfach nichts mehr zu machen, hatte ich schon 2016 vor der Reise Glück, dass die Plakette mit wenigen Zusatzkosten überreicht wurde.

Wie übersteht eigentlich ein Groundhopper die Corona-Zeit?

Die Wladiwostok-Tour galt ja schon als eine kleine Abschiedsfahrt, es folgten zwar noch einige Touren, aber aktuell fällt es mir leicht, auf Fußball zu verzichten. Was nützen Spiele mit Einschränkungen ohne Fans und Ultras in halb oder fast leeren Stadien höherklassig oder wenn ich für jeden unterklassigen Kick meine Daten hinterlegen muss? Da sollte man nachdenken, ob das ganze Hobby wirklich noch Sinn macht durch die ganzen Einschränkungen.

Welche anderen Magazine würdest Du empfehlen und warum? Gibt es vielleicht auch Bücher zum Thema, die Du gerne gelesen hast?

Ich lese zwar gerne mal ein Buch, aber selten fußballbezogene Materie. ‚Eine Saison mit Verona‘ von Tim Parks oder ‚Der Traumhüter‘ von Roland Reng gehören zu meinen Favoriten, aber auch ‚Unhaltbar‘ von Lutz Pfannenspiel begeisterte mich erst kürzlich. Als Film gefällt mir ‚Looking for Eric‘ mit Eric Cantona am besten. So Typen wie Eric Cantona fehlen dem heutigen Fußball einfach.

Was wollt‘ ich noch gleich in Wladiwostok? jetzt bestellen!!

Tags: , , , ,

2 Kommentare zu “„Langeweile blieb während der Reise ein absolutes Fremdwort“ – Interview mit Frederick Johann von Was wollt‘ ich noch gleich in Wladiwostok?”

  1. Ich bin wirklich mit einigem Vergnügen mit dem alten Corsa mitgefahren und teile die positiven Ansichten über Russland und seine guten Menschen aus eigener Erfahrung. Was ich allerdings wirklich nicht verstehen kann: wie kann man sich auf eine solche weite Reise ins Unbekannte ohne g’scheite aktuelle Straßenkarte und ohne ein Navi-Kastl machen. Um die verlorene Zeit ist es einfach schade, wenn man lange nach einer (Hotel)Adresse suchen muß.

  2. Das Groundhopping wird in dem Buch leider nur ganz am Rande gestreift. Die besuchten Spielen beschreibt der Autor meistens nur 4-5 Sätzen pro Spiel. Das Ganze ist eher ein Roadmovie-Buch.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website nutzt Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen